Jean-Marc Espalioux muss beim Hotelriesen Accor trotz Erfolgs abtreten
Einfach zu bescheiden

Der Mann bleibt bescheiden bis zum Schluss: Sein Abgang beim Hotelriesen Accor sei ein „Non-Event“, sagte gestern Jean-Marc Espalioux bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen.

HB PARIS. Nach neun Jahren an der Spitze der weltweit viertgrößten Hotelkette (Formule 1, Etap, Mercure, Novotel, Sofitel) hat ihn der Aufsichtsrat geschasst. Offiziell heißt es, der Accor-Chef strebe bei Vertragsende im Januar 2006 keine neue Amtszeit an.

Handfeste wirtschaftliche Gründe gibt es für den Chefwechsel nicht, Accor geht es gut. Außerdem ist noch kein Nachfolger in Sicht. „Es ist normal, dass man eine neue Phase für die Gruppe mit einer neuen Führung angehen will“, redet der schlanke Manager mit dem gepflegten Seitenscheitel im tiefdunklen Haar seinen Rauswurf schön. Wie diese „neue Phase“ bei Accor aussehen könnte, dazu schweigt er, so wie das restliche Management.

Es ist genau diese zurückhaltende und bescheidene Art, die dem Absolventen der Elite-Verwaltungsschule ENA zum Verhängnis geworden ist. Er hat die Vorzüge Accors nicht aggressiv genug gegenüber Investoren vertreten. Daher haben die beiden Accor-Gründer, Paul Dubrule und Gérard Pélisson, seine Absetzung betrieben, heißt es in Paris. Espalioux selbst schweigt dazu.

Auf den Putz zu hauen ist seine Sache nicht. Espalioux hätte allen Grund dazu. Es ist schon das zweite Mal, dass ihm seine Leisetreterei einen Strich durch die Karriere-Rechnung gemacht hat. Ende der 80er-Jahre wird der im Senegal Aufgewachsene neuer Finanzchef bei der Compagnie Générale des Eaux – mit nur 35 Jahren. Ihm werden große Chancen nachgesagt, die Führung des Versorgers zu übernehmen. Doch das Rennen machte ein gewisser Jean-Marie Messier, der aus dem Unternehmen den Medienkonzern Vivendi formte und diesen damit fast in die Pleite trieb.

1997 schafft es Espalioux doch noch zu Chef-Weihen: Die beiden Accor-Gründer Dubrule und Pélisson machen ihn überraschend zum Generaldirektor des Hotelkonzerns. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Der Umsatz ist unter seiner Ägide um 47 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen; das Vorsteuerergebnis um knapp 59 Prozent. Espalioux vermied teure Akquisitionen und steuerte den Konzern durch die Tourismuskrise nach dem 11. September 2001.

Um diese Leistungen machte er nie großes Aufheben – und muss wohl deshalb nun gehen. Sein Schicksal nimmt er mit Humor. Als ihn Fotografen gestern bei der Pressekonferenz umlagern wie einen Popstar, scherzt er: „Ich bin halt fotogen und charismatisch.“

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