Jean-Marie Laborde ist neuer CEO von Rémy Cointreau
Vom Champagner zum Cognac

Jean-Marie Laborde kann es sich leisten, seine Jobs nach dem Spaßfaktor auszusuchen. „Die Größe eines Unternehmens interessiert mich nicht. Ich suche nicht mehr den Ruhm, den hatte ich schon. Heute will ich das machen, was mir Spaß macht.“

HB PARIS. Mit diesen Worten kommentierte der Wein- und Spirituosen-Experte seinen Wechsel im vergangenen September vom Chefsessel der Champagner-Marke Moët & Chandon, Tochter des Luxusgiganten LVMH, an die Spitze der kleinen, aber feinen Weingüter von Antonin Rodet, die der Investmentholding Worms & Cie gehören.

Allzu viel Spaß scheint Laborde in der Bourgogne aber nicht gehabt zu haben. Denn Spirituosen-Riese Rémy Cointreau kündigte jetzt an, dass der 56-Jährige im September zu Frankreichs Spezialisten für Hochprozentiges wechselt: Dort soll er den neu geschaffenen Posten des Generaldirektors übernehmen. Bekannt ist das Haus für seinen Cognac Rémy Martin, den Likör Cointreau und den Champagner Piper-Heidsieck.

Nicht die einzige Überraschung gestern: Denn gleichzeitig kündigte das mehrheitlich in Familienbesitz befindliche, börsennotierte Unternehmen eine erneute Umorganisation seiner Führungsstrukturen an.

Künftig zieht sich Firmen-Patronin Dominique Hériard Dubreuil – ihr Großvater war Geschäftspartner des letzten Familienmitglieds der Martins – aus dem Tagesgeschäft zurück. Sie will sich aufs Strategische konzentrieren, schon immer ihre Stärke. Mit Ruhe und dem Pochen auf Langfristigkeit machte sie aus dem Konzern Ende der 90er wieder ein zukunftsträchtiges Unternehmen. Obwohl doch wie aus einem Chanel-Spot entsprungen, demonstriert sie gerne eine gewisse Abneigung gegen fest Zementiertes. Demonstrativ ordert sie ihren Cognac im Whiskey-Glas („Cognac-Schwenker finde ich schrecklich“) und mischt vor dem Essen den edlen Brand mit Eis und Wasser.

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