Jean-Paul Gut
Strategiechef verlässt EADS im Unguten

Der Strategiechef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Jean-Paul Gut, räumt nach Meinungsverschiedenheiten mit der Konzernführung seinen Posten. Der gewiefte Verkäufer bricht aber keineswegs gänzlich mit der Airbus-Mutter.

HB PARIS. Der französischen Zeitung „Le Figaro“ (Montag) sagte Gut, er gehe, weil er mit EADS über die Integration der Marketing-, Vertriebs- und Strategie-Bereiche uneins sei. EADS bestätigte diese Darstellung. Gut sagte, es habe keinerlei strategische oder persönliche Differenzen mit EADS und ihren Verantwortlichen gegeben. „Wir werden zukünftig weiterhin in anderer Form zusammenarbeiten.“

Die Börse reagierte gelassen auf die Meldung. Die EADS-Aktie legte in einem generell freundlichen Markt bis Mittag knapp 1 Prozent zu.

Über Guts Ausscheiden bei der Airbus-Mutter EADS war seit Wochen spekuliert worden. Dabei hatte es geheißen, Gut solle 12 Mill. Euro Abfindung erhalten. Gut nannte diese Spekulationen Fantastereien. Er bekomme vertragsgerecht 2,8 Mill. Euro, sagte Gut. Er habe dem Konzern loyal gedient und Aufträge für 150 Mrd. Euro besorgt. EADS teilte mit, Gut werde zum 1. Oktober ausscheiden und eine Abfindung erhalten, die seinen 24 Dienstjahren bei EADS und den Vorgängerfirmen Matra und Matra Aérospatiale angemessen sei.



Gut, der zuletzt 80 Airbus-Langstreckenflieger vom Typ A350 XWB an Qatar Airways verkaufen konnte, macht sich selbstständig. Er werde von London oder Paris aus Unternehmen beraten und ausländische und europäische Investoren zusammenführen, sagte Gut. Außerdem werde er mit dem Medienunternehmer und EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère weiter zusammenarbeiten.

Gut hat exzellente Kontakte in den Mittleren Osten, aber auch nach China und Indien. Branchenkenner erwarten, dass er sich um den Einstieg von Investoren aus diesen Wachstumsregionen in den EADS- Konzern bemühen wird. „EADS zieht Investoren an, die sich drängeln, um einsteigen zu können“, sagte Gut. „Doch es ist sehr schwer, die Kapitalverhältnisse zu ändern, weil wir in einer für die nationale Souveränität wichtigen Branche sind und das Gewicht der Staaten sehr groß bleibt.“ Der deutsche Co-Chef Thomas Enders sei „ein echter Europäer“, sagte Gut. „Er wird dazu beitragen, dass unsere Gruppe sich in Richtung auf das Modell eines klassischeren Privatunternehmens entwickelt.“

Guts Abgang setzt bei EADS ein Personalkarussell in Gang: Neuer Strategiechef wird Marwan Lahoud, bisher Chef des Raketenherstellers MBDA, an dem EADS mit 37,5 Prozent beteiligt ist. Als Lahouds Nachfolger bei MBDA wurde der Chef der EADS-Satellitentochter Astrium, Antoine Bouvier, benannt. Dessen Posten werde Evert Dudok übernehmen, der derzeit die Astrium-Sparte Raumtransport leitet.

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