Jean-René Fourtou will sich 2005 aus dem Tagesgeschäft zurückziehen
Vivendis Sanierer denkt an die Rente

Mit 65 darf man sich schon mal Gedanken machen über den Ruhestand. Jedenfalls erlaubt sich das Jean-René Fourtou, der Chef des Telekom- und Medienkonzerns Vivendi Universal. Nächstes Jahr wird der Sanierer des französischen Mischkonzerns 65 Jahre alt, und deshalb denkt Fourtou nach, wie und wann er die Macht abgeben will.

PARIS. Offiziell „ist nichts entschieden“, heißt es bei Vivendi. Inoffiziell erwägt Fourtou zwei Varianten, um sich vom Tagesgeschäft zurückzuziehen. Nummer eins: Die Funktionen des Präsidenten und des Generaldirektors, die französische Unternehmenschefs meistens beide innehaben, werden getrennt, und Fourtou kümmert sich als Präsident nur noch um die langfristige Strategie. Variante zwei: Der Verwaltungsrat wird durch einen Aufsichtsrat und einen Vorstand ersetzt. Fourtou würde den Aufsichtsrat leiten und das Tagesgeschäft seiner Nummer zwei, Bernard Lévy, überlassen.

Der Zeitpunkt für einen Teil-Abschied Fourtous ist günstig. Als der Ex-Pharmamanager im Juli 2002 das Sagen bei Vivendi übernahm, hatte sein extrovertierter Vorgänger Jean-Marie Messier das Unternehmen durch eine zügellose Einkaufstour an den Rand des Ruins getrieben.

Fourtou kam gerade aus dem Urlaub von einem Bootstrip, als ihn Vivendi-Aufseher um den mächtigen Axa-Präsidenten Claude Bébéar im Juli 2002 das Kommando beim Mischkonzern aufnötigten. „Um ein Haar wäre ich noch in Shorts in den Besprechungsraum gekommen“, erinnert er sich.

Kaum angekommen, verhandelt Fourtou Tag und Nacht mit den Gläubigerbanken, um den Zusammenbruch des französisch-amerikanischen Konglomerats zu verhindern. Fourtou verkauft alles, was nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, und drückt so die Vivendi-Schulden von 20 auf 6,4 Milliarden Euro.

Ursprünglich wollte Fourtou nur für vier Monate einspringen und nicht einmal Geld für seine Arbeit haben. Beides kam anders. Seit zwei Jahren schon führt Fourtou Vivendi. Und dank seiner Aktienoptionen erhält er dafür pro Jahr rund 23 Millionen Euro. Über seine Rente muss sich Fourtou jedenfalls keine Sorgen mehr machen.

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