Jeder Mittelständler geht seinen eigenen Weg
Kapital von den Kollegen

Die Beteiligung von Mitarbeitern am Firmenkapital ist ein Thema, das derzeit in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird. Dabei gibt es schon heute zahlreiche Unternehmen, bei denen das längst Realität ist. Wie Mittelständler das Thema Investivlohn schon heute umsetzen.

DÜSSELDORF. Für viele deutsche Unternehmer ist es eine erschreckende Vorstellung: Wenn beim Mittelständler Grünbeck die Gesellschafter zusammenkommen, um über Investitionen und Strategie zu entscheiden, dann läuft ohne die Mitarbeiter gar nichts. Bei Grünbeck herrscht nicht der intime Kreis der Familie - dort sind 110 Mitarbeiter Miteigentümer.

Ihnen gehören fast die Hälfte der Anteile an dem Unternehmen, das in Höchstädt an der Donau Anlagen zur Wasseraufbereitung fertigt. "Soziale Partnerschaft", nennt Firmengründer Josef Grünbeck das Modell, von dem er so überzeugt ist, dass er verfügt hat: Nach seinem Tod soll das Unternehmen komplett die Hände der Mitarbeiter übergehen.

Grünbeck ist ein extremes Beispiel für die Beteiligung von Mitarbeitern am Firmenkapital - ein Thema, das derzeit in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird, seit die Bundesregierung den " Investivlohn" aus der Schublade geholt hat. Sie weiß zwar noch nicht genau wie, aber sie ist gewillt, die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenskapital stärker zu fördern.

Ein Blick in die Praxis zeigt: Es gibt vor allem im Mittelstand Firmen, die dies seit langem mit guter Erfahrung umsetzen. Aber es machen nicht viele. Nur rund fünf Prozent der Unternehmen beteiligen die Mitarbeiter am Kapital. Ein Grund: "Kleinere Firmen schrecken vor den hohen administrativen und gesellschaftsrechtlichen Kosten zurück", sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. Ein anderer: Man will sich nicht in die Karten gucken lassen.

Tatsächlich läuft die Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern aus Sicht von Experten nur dann wirklich gut, wenn im Unternehmen partnerschaftliche Zusammenarbeit und Offenheit herrscht (siehe » "Knackpunkt Firmenkultur"). Doch der Blick in die Praxis zeigt ebenso, dass Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten haben, den Einfluss der Mitarbeiter und Höhe der Kosten zu steuern.

Die Motive der Unternehmen, die Kapitalbeteiligungen anbieten, sind einhellig: Sie wollen ihre Mitarbeiter motivieren, das unternehmerische Denken fördern und sie an sich binden. "Wir sind in einer ländlichen Region tätig und müssen für hoch qualifizierte Arbeitskräfte attraktiv sein", sagt Walter Ernst, Geschäftsführer von Grünbeck. Zudem lockt das Geld als zusätzliche Finanzierungsquelle. Mitarbeiter als volle GmbH-Gesellschafter wie bei Grünbeck sind aber selten zu finden. Der Mittelstand setzt eher auf stille Beteiligungen und Genussrechte.

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