Jeder Zehnte hat sich einen neuen Arbeitsplatz gesucht - Fach- und Führungskräfte kündigen häufiger
Wenig Fluktuation – erfolgreiches Unternehmen

Obwohl jeder Jobwechsel heutzutage Risiken birgt, sehen sich erstaunlich viele Arbeitnehmer nach neuen Aufgaben um. Doch die Wenigsten tun dies freiwillig.

Das belegt eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Trotz Zukunftsangst und Wirtschaftsflaute hat jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland 2003 den Betrieb gewechselt. Die Fluktuationsrate ist im Vergleich zum Höhepunkt der New Economy damit nur um zwei Prozentpunkte gesunken. „Es gibt eine geringe Tendenz, in der Rezession am Arbeitsplatz festzuhalten“, berichtet Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des IW und Autor der Studie. „Diese Arbeitnehmer wollen nicht das Risiko erhöhen, arbeitslos zu werden, weil sie die Probezeit nicht überstehen.“

Die Mikrozensus-Zählung erfasst allerdings jeden Arbeitnehmer, der sich eine neue Stelle sucht – ob freiwillig oder nicht – betont Tiemo Kracht, Deutschlandchef der Personalberatung Heidrick & Struggles in München. Kracht glaubt, dass die Zahl derer, die von selbst kündigen, in den vergangenen zehn Jahren rapide gesunken ist. „Unternehmen, die wir betreuen, haben im Moment auf der Mitarbeiterseite eine freiwillige Fluktuation von unter fünf Prozent. In manchen Betrieben sogar unter einem Prozent“, erzählt Kracht. Bei der mauen Wirtschaftslage sucht ein Großteil der vom IW gezählten Jobwechsler nur deshalb nach neuen Aufgaben, weil ihnen gekündigt wurde – oder um einer drohenden Kündigung zuvorzukommen.

Diese Einschätzung kann Heinz-Werner Meier, Vorstandsvorsitzender des Pharmaunternehmens Sanofi-Aventis Deutschland, voll bestätigen. „Ich habe den Eindruck, dass der ganz überwiegende Teil der Belegschaft das gut laufende Unternehmen keinesfalls verlassen möchte“, zeigt sich Meier überzeugt. Bei Sanofi-Aventis haben in den vergangenen Jahren weniger als ein Prozent der Beschäftigten von sich aus die Stelle aufgegeben. „Und das meist aus persönlichen Gründen“, erzählt Meier, der vor der Fusion mit dem französischen Konzern Sanofi-Synthelabo bei Aventis für die Personalarbeit zuständig war.

Ein völlig anderes Bild zeigt sich indes bei jungen und hoch qualifizierten Arbeitnehmern. So liegt die durchschnittliche Fluktuationsrate der 15- bis 30-Jährigen nach der IW-Untersuchung bei über 20 Prozent. Demgegenüber suchten keine fünf Prozent der über 50-Jährigen noch eine neue Stelle. „Berufseinsteiger haben häufig nur befristete Arbeitsverträge, und ihre berufliche Orientierungsphase ist noch nicht abgeschlossen“, kommentiert IW-Forscher Schäfer. Er hat zudem errechnet, dass die Wechselquote bei den Fach- und Führungskräften deutlich über dem Durchschnitt liegt.

„Insbesondere der Wettbewerb um gut qualifizierte Arbeitnehmer ist nach wie vor groß“, bestätigt Günther Böllert, Chef-Recruiter beim Technologiekonzern 3M. Die Neusser haben es geschafft, die gesamte Fluktuation auf 3,5 Prozent zu begrenzen – und so relativ viele High Potentials im Haus zu halten. „Es ist eine Frage der Unternehmenskultur, der Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Für Böllert ist eine geringe Fluktuationsrate Kennzeichen für ein erfolgreiches Unternehmen: „Auch wenn es aus Arbeitgebersicht gewünscht ist, dass Arbeitnehmer Erfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt haben.“

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