Jeff Immelt
Malocher mit Handicap

Der Chef von General Electric kämpft gegen den Ansehensverlust seines Konzerns. An die Erfolge seines Vorgängers Jack Welch konnte er bislang nicht anknüpfen.
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DüsseldorfAuf den ersten Blick ist Jeff Immelt das genaue Gegenteil von seinem Vorgänger Jack Welch, dem legendären Chef des amerikanischen Mischkonzerns General Electric, der für seine Wutanfälle gefürchtet war. Seine Art ist ausgeglichen, und sein Onkelgesicht wird von einem altmodischen Haarschnitt umrahmt. Der ist zwar autoritär grau, hängt aber nett gelockt über Ohren und Hemdkragen.

Doch der Eindruck täuscht. Immelt ist kein Softie. Der Vorstandschef, der er heute auf den Tag genau seit zehn Jahren ist, wirft hochrangige Manager ad hoc raus und verlangt von allen, was er selbst vorlebt: arbeiten bis zum Umfallen. Und wenn dem 55-Jährigen ein Vorschlag eines Mitarbeiters nicht gefällt, sagt er das vor versammelter Mannschaft. Sein Motto: „Nichts fokussiert die Gedanken mehr als das Geräusch reißenden Papiers.“

Seine eigene Bilanz kann sich jedoch auch (noch) nicht sehen lassen. Während Jack Welch in seiner ersten Dekade den Aktienkurs von General Electric (GE) mehr als verfünffachte, fiel dieser unter ihm um mehr als 60 Prozent. Das Unternehmensimage ist zudem angegriffen: In der Finanzkrise verlor GE das höchste Gütesiegel der Ratingagenturen. Und bei Nachwuchskräften ist der Konzern längst nicht mehr die erste Adresse. Bei jedem anderen Topmanager wären die Tage damit schon gezählt.

Seine Karriere startete Immelt einst beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Die ersten zwei Berufsjahre vermarktete er dort die Kekse der Marke Duncan Hines Brownies. Ein Ruhmesblatt erwarb er sich in dem Job nicht, wie er selbst zugibt. Zusammen mit seinem Kollegen, dem heutigen Microsoft-Chef Steve Ballmer warf er gern zerknüllte Papierchen in den Papierkorb. „Wir wären dort niemals Mitarbeiter des Monats geworden“, erzählte er in einem Interview mit dem Magazin „Fortune“.

Mit dem Wechsel zu GE – schon seit Vater war Manager bei der Flugzeugmotorensparte des Konzerns gewesen – änderte sich jedoch seine Arbeitshaltung. Er schaffte 100 Stunden die Woche und machte sich einen Namen als genialer Verkäufer – und so fiel er Jack Welch auf. Der machte ihn nach einem jahrelangen Auswahlverfahren im Jahr 2001 schließlich zu seinem Nachfolger.

Als GE-Chef legte Immelt richtig los. Er kaufte Wind-, Energie- oder Medizinunternehmen im Wert von 115 Milliarden Dollar, gleichzeitig verkaufte er das Plastikgeschäft und die Versicherungssparte im Wert von 97 Milliarden Dollar.

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