Jeffrey Greenberg steht vor dem Aus beim Versicherungsmakler Marsh & McLennan
Der Fall einer ehrenwerten Familie

Vielleicht gibt es ja bald eine neue Fernsehserie. Ein Wirtschaftskrimi könnte es sein, vielleicht auch ein Familiendrama. Titel: „The Greenbergs“. Inhalt: Die mächtigste Dynastie der Versicherungswelt steckt in der Krise. Autor: das wahre Leben.

NEW YORK. Denn was sich in der New Yorker Versicherungsszene abspielt, hat wahrlich das Stück für einen Zwölfteiler. Mindestens. An dessen Ende gibt es vermutlich ein Opfer, und das dürfte Jeffrey Greenberg heißen.

Der ist noch Chef des weltgrößten Versicherungsmaklers Marsh & McLennan (MMC). Doch noch gestern sollte er im Laufe des Tages zurücktreten, meldete das „Wall Street Journal“. Der MMC-Aufsichtsrat tagte gestern, um über seine Nachfolge zu beraten. Das Treffen dauerte bei Redaktionsschluss an, Greenberg habe aber seinen Rücktritt angeboten, zitiert das „Wall Street Journal“ informierte Kreise.

Der 53-jährige Greenberg ist der älteste Sohn von Maurice „Hank“ Greenberg, dem legendären Chef des nach Börsenwert weltgrößten Versicherers American International Group (AIG). Jeffreys jüngerer Bruder, Evan Greenberg, leitet den auf den Bermudas ansässigen Versicherer Ace. Die drei Versicherungen zusammen machen – trotz des Falls der MMC-Aktie in den vergangenen Handelstagen – noch immer rund 40 Prozent des S&P-Indexes für Versicherungen aus.

Angeblich betrieb Jeffrey Greenberg fragwürdige Geschäfte mit seinem Vater, seinem Bruder und anderen Versicherern. Diesen Vorwurf erhebt der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer. Laut Spitzer beriet Marsh & McLennan seine Kunden nicht objektiv, sondern schielte auf den eigenen finanziellen Vorteil. Marsh habe gezielt Versicherer empfohlen, die besonders hohe „Erfolgskommissionen“ (Contingent Commissions) zahlten. In mehreren Fällen habe Marsh seinen Kunden einen fairen Auswahlprozess vorgetäuscht, obwohl der Gewinner bereits vorab feststand. „Dieses Unternehmen hat gegen zahlreiche moralische und gesetzliche Grundsätze verstoßen“, schäumte Staatsanwalt Spitzer bei Veröffentlichung seiner Klage gegen MMC vor etwas mehr als einer Woche. Er forderte indirekt eine Abberufung des Marsh-Chefs. Denn Verhandlungen über eine außergerichtliche Einigung „mit dem derzeitigen Management“ werde es auf keinen Fall geben.

Maklerfirmen wie MMC beraten Unternehmen beim Versicherungskauf. Sie haben großen Einfluss darauf, wer etwa die Fabriken eines Autoherstellers oder die Produkte eines Pharmakonzerns versichert. Mit einem weltweiten Marktanteil von 20 Prozent dominiert MMC dieses Maklergeschäft. Neben vielen Versicherungskonzernen steht auch der zweitgrößte Versicherungsmakler der Welt, Aon, im Fadenkreuz des gefürchteten Staatsanwalts.

Seite 1:

Der Fall einer ehrenwerten Familie

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%