Jeffrey Skilling und Kenneth Lay
Ex-Enron-Chefs schuldig gesprochen

In einem der spektakulärsten Prozesse der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte sind die beiden ehemaligen Chefs des Energieunternehmens Enron wegen Betrugs schuldig gesprochen worden. Da half es Jeffrey Skilling und Kenneth Lay auch nicht, dass Lay ein Duzfreund von George W. Bush ist.

HB HOUSTON/WASHINGTON. Skilling und Lay müssen mit mehr als 25 Jahren Haftstrafe wegen Betrugs und Verschwörung rechnen. Das Strafmaß werde am 11. September verkündet, sagte Richer Simeon Lake nach dem Schuldspruch am Donnerstag im Gericht in Houston (Texas).

"Unsere Gesetze werden genauso rigoros gegen Unternehmer angewendet wie gegen Kleinkriminelle", sagte Staatsanwalt Paul McNulty. "Dieses Urteil spornt uns an, gegen Korruption vorzugehen, wo immer wir sie finden." Skillings Anwalt Daniel Petrocelli äußerte sich schwer enttäuscht. "Der Kampf hat gerade erst begonnen", sagte er auf den Stufen des Gerichts. "Natürlich bin ich enttäuscht", sagte Skilling. Er hielt aber nach wie vor an seiner Unschuld fest.

Die Anklage hatte Lay (64) und Skilling (52) Betrug in großem Stil vorgeworfen. Die beiden hätten die Märkte absichtlich und in betrügerischer Absicht getäuscht, sagte McNulty. Die prekäre Finanzlage des Unternehmens sei mit Bilanztricks und dubiosen Transaktionen verschleiert worden. Das Unternehmen war nach dem Auffliegen umfangreicher Unregelmäßigkeiten 2001 zusammengebrochen. Der Betrugsskandal bei Enron war der Auftakt einer ganzen Serie von Bilanzbetrugsfällen. Zahlreiche Firmenbosse etwa von WorldCom und Tyco wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Bei Enron haben sich bereits 16 Mitarbeiter schuldig bekannt.

Enron war einst eines den zehn größten US-Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 60 Milliarden Dollar. Es handelte zeitweise mit mehr als 800 Produkten, darunter Energie, Breitbandkapazitäten und Finanzderivaten. Es wurde von dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" noch 2001 und in den fünf Jahren davor wegen seiner aggressiven Risikostrategie zum "innovativsten Unternehmen" gekürt.

Im Laufe des Jahres 2001 wendete sich das Blatt jedoch. Wie sich herausstellte, lieferten mehrere Einheiten nicht die gewünschten Ergebnisse. Die Schulden wurden in dubiosen Partnerschaften versteckt, an denen sich Finanzchef Andrew Fastow persönlich mit Millionen bereichert hatte. Der Aktienkurs stürzte von einst über 90 Dollar auf weniger als 30 Cent. Ein Übernahmeversuch scheiterte. Anfang Dezember 2001 musste das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen. Investoren verloren Milliardenbeträge, tausende Angestellte ihre gesamte Altersvorsorge.

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