Jeffrey Stevenson kauft zu
Schreckgespenst der Medienbranche

Weiche Gesichtszüge, hohe Stirn, stramm gekämmte Haare. So sieht er also aus, der „ausländische Finanzhai“, vor dem sich der Deutsche Journalistenverband (DJV) so fürchtet, dass er die Bundesregierung auffordert, den „Durchmarsch durch die deutsche Presselandschaft“ zu verhindern.

NEW YORK. Jeffrey Stevenson heißt er, ist 45 Jahre alt und Co-Chef der New Yorker Investmentfirma Veronis Suhler Stevenson (VSS). Vor allem aber: Er zieht als Geldgeber die Fäden bei der BV Deutsche Zeitungsholding. Das Unternehmen meldete vergangenen Freitag den Kauf der Boulevardzeitung „Hamburger Morgenpost“. Sein zweiter Schlag in Deutschland: Vergangenes Jahr hatte Stevenson den Berliner Verlag übernommen, zu dem „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und das Internetportal Berlin Online gehören.

Und das ist wohl erst der Anfang: „Wir werden sowohl in den Ausbau der bereits erworbenen Unternehmen als auch in weitere Zukäufe deutscher Regionalzeitungen investieren“, kündigte er am Rande einer Branchenkonferenz in New York an.

Im öffentlichen Rampenlicht – und in der Kritik – steht bei der BV-Gruppe bislang vor allem der nordirische Zeitungsmacher David Montgomery. Er übernahm den Aufsichtsratsvorsitz, seine Investmentgruppe Mecom hält einige Anteile. Fünf Sechstel des ungenannten Kaufpreises zahlte jedoch VSS. Stevenson segnete den Kauf des Berliner Verlags von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der auch das Handelsblatt gehört, persönlich ab. Diese Woche fliegt er nach Berlin, um sich vor Ort zu informieren.

Dass Private-Equity-Kapital in deutsche Verlage fließt, löst hier zu Lande Abwehrreflexe aus. Hinzu kommt, dass Montgomery einen schlechten Ruf bei Journalisten genießt, seit er britischen Zeitungen wie dem „Daily Mirror“ einen harten Sparkurs aufzwang.

Michael Konken, Chef der Journalistengewerkschaft DJV, fordert schon politisches Einschreiten: Ausländer sollen nur noch maximal 49 Prozent an deutschen Medienunternehmen erwerben dürfen. Ob deutsche Medienhäuser dann im Gegenzug ihre Tochterverlage in Frankreich, Polen, Tschechien und anderswo verkaufen sollen, blieb offen.

VSS-Mann Stevenson scheint diese Debatte nicht zu beunruhigen: „Warum sollten wir in Deutschland nicht den gleichen Erfolg haben wie in Großbritannien, Amerika und in anderen Ländern, wo wir gute Erträge erzielt haben?“ Es klingt wie eine rein rhetorische Frage.

Stevensons Gelassenheit beruht auf einer langen Erfolgsgeschichte. 1982, direkt nach dem Studium, stieß er zu der New Yorker Investmentbank, die damals Veronis Suhler hieß. Sie spezialisierte sich auf die Medienbranche, entstammten dieser doch die Gründer: John Veronis gab die Zeitschrift „Psychology Today“ heraus, John Suhler leitete einst das Medienhaus CBS Publishing.

Unter Stevensons Leitung startet Veronis Suhler 1989 den ersten Private-Equity-Fonds. Bis heute folgen drei weitere, jeder größer als der vorige. Private Equity ist heute das wichtigste Standbein. 2001 ehren die Partner den Private-Equity-Chef mit einer Namensänderung: Seitdem heißt die Firma Veronis Suhler Stevenson.

Oft übernimmt VSS ein Unternehmen, das dann weitere Firmen kauft, um eine starke Marktposition zu erobern. So entstand der Gelbe-Seiten-Dienst Yellow Brick Road (YBR), der unter der Kontrolle von VSS und der britischen Private-Equity-Firma 3i 21 Akquisitionen abschloss und heute in sieben europäischen Ländern agiert. Im vergangenen Juli kaufte die australische Finanzfirma Macquarie YBR für 1,8 Milliarden Euro.

„VSS gilt als exzellenter Nischenspieler im Medienbereich“, sagt ein Private-Equity-Rivale, „bei den ganz großen Deals spielten sie jedoch bislang nicht mit.“ Der neue, bislang größte VSS-Private-Equity-Fonds strebt ein Volumen von 1,25 Milliarden Dollar an – weit weniger als der Rivale Blackstone, der zweistellige Milliardenbeträge einsammelt. Durch Partnerschaften mit anderen Investoren und Kreditaufnahme kann Stevenson trotzdem mehrere Milliarden investieren.

Die Angst der Kritiker: VSS wird die „Berliner Zeitung“ kaputtsparen. Stevenson hält dagegen: Er wolle auch „Synergien heben“. VSS-Manager Johannes von Bismarck, verantwortlich für Beteiligungen im deutschsprachigen Raum, wird konkreter: „In der Redaktion, beim Druck und in der Anzeigenvermarktung lässt sich manches zentralisieren.“ Andererseits wolle VSS „die lokalen Stärken des Berliner Verlags und der ,Morgenpost’ bewahren“.

Gleichzeitig müsse VSS investieren, sagt Stevenson: „Wir wollen ja in fünf bis sieben Jahren mit Gewinn verkaufen.“ Weil die Auflage von Tageszeitungen sinke, werde die BV-Gruppe neue Verbreitungswege wie das Internet ausbauen: „Dafür nehmen wir Geld in die Hand.“

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