Jerry del Missier
Der Kronprinz des Kronprinzen

Eigentlich ist er nur der Kronprinz des Kronprinzen, dennoch hat Jerry del Missier bei der Großbank Barclays eine der wichtigsten, aber auch eine heikelsten Aufgaben zu erfüllen: Er muss das Investment-Banking durch die Untiefen der Finanzkrise steuern.

LONDON. Der Kanadier mit dem jungenhaften Aussehen ist Präsident von Barclays Capital, leitet also die Investmentbank des drittgrößten britischen Geldhauses. Jerry Del Missiers Bereich hat in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Doch jetzt hat die Kreditkrise auch die Briten eingeholt. Im ersten Halbjahr brach der Gewinn von Barclays Capital um zwei Drittel auf nur noch 524 Mill. Pfund ein. Trotz dieses Rückschlages hält der 46-Jährige an seiner Mission fest: Der mächtigen US-Konkurrenz in der Krise Marktanteile abzunehmen.

Del Missier ist einer der engsten Vertrauten von Bob Diamond, dem starken zweiten Mann bei Barclays. 2003 verlor Diamond den internen Machtkampf um die Vorstandsspitze der Bank gegen John Varley. Viele glaubten damals, dass der Amerikaner das Handtuch werfen würde. Doch Diamond blieb und machte den Ausbau von Barclays Capital zu seiner wichtigsten Aufgabe. Der Manager dem er dabei vertraute, war del Missier. "Das ist die Maschine die Jerry gebaut, hat", lobte Diamond seinen Vertrauten in einem Interview.

Die "Maschine" trug maßgeblich dazu bei, Barclays von einer mittelgroßen englischen Bank zu einem der weltweit führenden Spieler im Geschäft mit Anleihen, Zinsen, Währungen und Rohstoffen zu machen. Vor einem Jahr trug die Investmentbank mit 2,2 Mrd. Pfund fast ein Drittel zum gesamten Barclays-Gewinn bei.

Doch das war vor der Kreditkrise. Im ersten Halbjahr 2008 verdarben Abschreibungen von zwei Mrd. Pfund das Ergebnis von Barclays Capital. Del Missier ist sich durchaus bewusst, dass die goldenen Zeiten vorbei sind. "Wir entdecken zwar etwas Licht am Ende des Tunnels, aber bevor kein Ende der US-Immobilienkrise abzusehen ist, bleiben die Märkte schwierig", sagt er. Dennoch glaubt er daran, dass Barclays auch in der Krise Marktanteile gewinnen kann. Große Universalbanken hätten gegenüber den spezialisierten Investmentbanken den entscheidenden Vorteil, dass sie auf die Spargelder ihrer Kunden zurückgreifen könnten. Die Konkurrenz sei dagegen bei der Refinanzierung viel stärker auf die noch immer angeschlagenen Kapitalmärkte angewiesen.

Bei der Konkurrenz von der del Missier spricht, handelt es sich vor allem um große US-Häuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Lehman Brothers. Die will Barclays jetzt direkt angreifen. Im Frühjahr verlagerte del Missier sein Hauptquartier von der Themse an die Wall Street. Die Aufgabe, die er sich gestellt hat, ist nicht leicht, tun sich europäische Banken auf dem größten Investmentbankenmarkt der Welt doch notorisch schwer. Aber nach fünf Monaten sieht der Barclays-Banker erste Erfolge: "Die US-Kunden wissen zu schätzen, dass wir offen für Geschäfte sind, während sich andere zurückhalten müssen."

Vom Techniker zum Investmentbanker

  • 1985: Bachelor-Abschluss in Verfahrenstechnik an der Queen?s University in Ontario
  • 1987: MBA-Abschluss Queen?s University
  • 1987: Vergebliche Bewerbung bei Barclays, Karrierebeginn bei der Bank of Nova Scotia, in Toronto
  • 1988: Wechsel zu Bankers Trust, Montreal als Derivatehändler
  • 1991: Wechsel zu Bankers Trust in London, zuständig für den Bereich europäische Derivate
  • 1997: Wechsel zu Barclays Capital, London, der Investmentbank von Barclays. Chef des Derivatebereichs
  • 1998: Chef des Bereichs Global Markets
  • 2005: Stellvertretender Chef der Investmentsparte zusammen mit Grant Kvalheim
  • Jan. 2008: Präsident Barclays Capital, im Mai Umzug nach New York, um die Investmentbank in den USA auszubauen
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