Jette Joop
Aus dem Schatten ins Blitzlicht

Lebt sie nur vom Namen ihres Vaters? Oder hat Deutschland eine neue Star-Designerin? Sicher ist: Jette Joops Liste der Erfolge wird länger.

HAMBURG. Sie stiehlt sogar Versandhaus-Chef Michael Otto die Show. Keck blitzen ihre blaue Augen, das wallende blonde Haar schwingt sie geschmeidig über ihre Schultern. Wie ein geübtes Topmodell poussiert die gertenschlanke Frau mit den Kameras im Einkaufszentrum im Hamburger Stadtteil Alstertal. Michael Otto steht daneben – keine Chance gegen die Medienwirksamkeit der Jette Joop.

Vor einigen Wochen war das, als das zweite Geschäft der neuen Otto-Wäschekette „Lascana“ eröffnet wurde. „Die von mir designten Dessous und Bademoden passen gut zu dem Ladenkonzept“, ruft die 38-jährige PR-Geschulte den Journalisten zu. Die studierte Industriedesignerin weiß, wie die Werbetrommel für ihre Produkte geschlagen werden muss, egal, ob es nun um ihre Damenmode geht, um Bett- oder Unterwäsche, Schuhe oder Parfüm. Das freut die Lizenznehmer wie Douglas-Tochter Christ: „Sie ist bei Events ein wahrer Anziehungspunkt“, sagt Marco Schöner, Geschäftsführer des Schmuck-Filialisten.

Das hat sie wohl vom Vater. Modezar Wolfgang Joop bringt seit Jahren durch provokante Auftritte, Interviews oder „Spiegel“-Essays seine Mode ins Rampenlicht. Längst gehört ihm die Marke Joop nicht mehr, sein Comeback feiert er mit dem Haute-Couture-Laben Wunderkind. „Ich bewundere ihn dafür, dass er jetzt noch mal eine eigene Kollektion herausgegeben hat“, sagt die Tochter.

Sie selbst ist aus dem Schatten ihres Vaters herausgetreten. Zu ihren Partnern zählen der Kosmetikkonzern Coty mit dem Parfüm „By night Jette“, K2 Sportschuhe oder eben Otto. Auch die Klaviatur der Boulevardpresse beherrscht sie: Eine mehrjährige Beziehung zu Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, dem Adelsspross aus dem niedersächsischen Bückeburg, bediente die Gazetten. Auch ein angeblicher Flirt mit John F. Kennedy junior, Sohn des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, blieb nicht unbemerkt.

Ihr Firmenreich steuert Jette Joop von einer schmucken Gründerzeitvilla im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude aus. Ihr Büro im zweiten Stock ist gut beheizt, der Schreibtisch stets aufgeräumt. Skizzen neuer Entwürfe bewahrt sie in Klarsichtfolien auf, Bücher und Modezeitschriften sind zu kleinen Stapeln gestapelt. Unterbrochen wird die Ordnung durch einige lebensgroße farbenfrohe Fotografien, die Jette Joop in einer ihrer Damenkollektionen zeigt. Daneben lehnen Schwarzweißfotos an der Wand, die sie auf Partys von Prominenten geschossen hat. Besonders stolz ist sie auf zwei Schnappschüsse der US-Schauspieler Kevin Spacey und Susan Sarandon.

Ihr Team ist übersichtlich. Sie beschäftigt zehn Angestellte – ausschließlich Frauen: „Ich glaube, ein Mann hätte Schwierigkeiten, in unserem momentan komplett aus Frauen bestehenden Team zu arbeiten.“ Der Außenumsatz soll in diesem Jahr um rund 18 Prozent auf 118 Millionen Euro steigen. Davon entfällt der größte Teil auf Lizenzerlöse für ihre Damenmode und Parfüm. Zur Rendite hält sie sich bedeckt. Sie sei zweistellig, nickt sie auf Nachfrage, ohne Zahlen zu nennen.

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