Jitzchak Tshuva
Vom Immobilienmagnaten zum Gasbaron

Einst konnten seine Eltern dem jungen Jitzchak Tshuva keine Armbanduhr kaufen. Heute gehört dem israelischen Milliardär nicht nur das New Yorker Plaza Hotel, sondern auch Immobilien in der Schweiz, Kanada, Russland oder Deutschland. Nun hat eines seiner Unternehmen Gas vor der Küste Israels gefunden.

TEL AVIV. Der Mann hat ein fast magisches Gespür fürs Geschäft, ein Flair für Business, das sich an keiner Schule erlernen lässt. Jitzchak Tshuva ist einer der bekanntesten und wohlhabendsten Unternehmer Israels, vor zwei Jahren wurde er in die Forbes-Liste der Milliardäre aufgenommen. Im Ausland kennt man den 61-Jährigen vor allem als draufgängerischen Immobilieninvestor, als Besitzer des Plaza in New York, als Magnat mit Büros in New York und Las Vegas, sowie Engagements in der Schweiz, Kanada, Großbritannien und Russland. In Deutschland kontrolliert er rund zwei Dutzend kommerzielle Liegenschaften, in denen Firmen wie Adidas oder Metro eingemietet sind.

Zwar muss Tshuva derzeit wegen der weltweiten Immobilienkrise empfindliche Verluste einstecken, doch er ist längst auf dem Weg zu neuen Ufern: Vor kurzem hat eines seiner Unternehmen vor der israelischen Küste große Mengen Gas entdeckt. Jetzt wird der einstige Junge aus ärmlichen Verhältnissen auch noch zum Gasbaron. Da drängen sich Vergleiche auf. Seine Biografie liest sich wie die israelische Version von John D. Rockefeller, der sich als Tellerwäscher das Taschengeld aufbesserte, bevor er zum Ölmilliardär wurde.

Tshuvas Familie emigrierte 1948 aus Libyen nach Israel, mitten im Unabhängigkeitskrieg. Mit seinen Geschwistern, Eltern und Großeltern teilte sich Tshuva ein einziges Zimmer. Mit Zwölf muss er die Schule verlassen, verdingt sich als Tagelöhner auf den Feldern und holt abends den Schulstoff nach.

Nach dem Militärdienst steigt er in die Baubranche ein und ergattert erste Regierungsaufträge wie die Beteiligung am Bau des Sicherheitswall im Sinai nach dem Sechs-Tage-Krieg.

Bekannt wird er aber erst 1998, als er bei der Benzinfirma "Delek" einsteigt. Das Tankstellennetz wird Grundlage für seine Karriere als Immobilieninvestor. Berühmt wird er 2005, als das legendäre Plaza-Hotel in New York erwirbt. Und jetzt wird er Gasbaron. Die neuen Funde vor der Küste Israels könnten in fünf Jahren den Gasbedarf des Landes decken. Doch das reicht Tshuva nicht. Er sieht sich bereits als Energie-Exporteur, zu dessen Kunden Länder wie Georgien oder Zypern zählen könnten. Die Entdeckung der Gasvorkommen sei ein nationaler Feiertag für den Staat Israel verkündete er und eilte zur Klagemauer, um Gott zu danken: "Ich habe keinen Zweifel, dass der Fund ein Geschenk des Allmächtigen ist," davon ist er überzeugt. Und schwärmt von seinem nächsten Projekt: Ein Kanal für drei Milliarden Dollar, der das Rote und das Tote Meer miteinander verbinden soll. Ein Drittel des regionalen Wasserbedarfs könnte der Bau decken, an dem er Israelis, Jordanier und Palästinenser beteiligen will - sein Beitrag zur Entspannung im Nahen Osten.

Doch untreu wird der Magnat den Immobilien nicht. Die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt der Israeli heute in New York. Im kommenden Jahr will er in Las Vegas investieren, eine gigantische Plaza-Schwester soll dort entstehen. Doch trotz allen Reichtums, hat der Milliardär aus der Küstenstadt Netanya seine bescheidene Herkunft nicht vergessen: Immer noch trägt Tshuva keine Armbanduhr zur Erinnerung daran, dass seine Eltern ihm einst diesen Luxus nicht finanzieren konnten.

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