Joachim Gut
Balda ersetzt glücklosen Vorstandschef

Seit Monaten fragen sich Beobachter des Handyausrüsters Balda, warum eigentlich dessen Vorstandschef Joachim Gut noch im Amt ist. Das Unternehmen verfehlt regelmäßig seine Ziele, der Aktienkurs brach 2008 um 95 Prozent ein, und schon im Sommer wurde Gut auf der Hautversammlung nicht entlastet. Nun nimmt der Mann, an dem bisher alle Kritik abprallte, doch seinen Hut. Und nach seinem Vorstandsvertrag müsste ihn das Unternehmen noch bis zum 31. Dezember 2012 bezahlen.

DÜSSELDORF. Teils mit Gleichgültigkeit, teils mit Erleichterung, haben Analysten und Arbeitnehmer das Ende von Vorstandschef Joachim Gut (46) beim Handyausrüster Balda aufgenommen. Wie das Unternehmen aus Bad Oeynhausen (Ostwestfalen) mitteilte, wird Gut, der seit Oktober 2003 im Amt ist und dessen Vertrag noch bis Ende 2012 läuft, Balda zum Ende des Jahres verlassen. "Diese Nachricht kommt nicht völlig überraschend", sagt Analyst Nicolas von Stackelberg vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Herr Gut hat zuletzt eher glücklos agiert." Dies ist noch die freundlichste Einschätzung, die am Wochenende von Kennern des Unternehmens zu hören war.

Lutz Schäffer, der als IG-Metall-Vertreter den Niedergang der deutschen Produktionsstätten von Balda begleitete, formuliert sein Urteil über den scheidenden Vorstandschef so: "Für die Standorte in Bad Oeynhausen war Herr Gut überhaupt nicht gut." In der Tat zeigt ein Blick auf die Arbeitsplatzbilanz von Gut einen dramatischen Verfall. Waren 2005 mehr als 2300 Mitarbeiter für Balda im Inland tätig, so sind es heute nur noch 200. Zwar lastet niemand Gut an, dass die Handybranche ihre Produktion fast geschlossen nach Asien verlegt hat und Zulieferer wie Balda deshalb folgen mussten. Die Art und Weise, wie Gut hierbei agierte, wirft jedoch Fragen auf.

Der völlig missratene Verkauf des deutschen Handyschalengeschäfts an den Finanzinvestor Aurelius brachte Balda Anfang 2008 bis an den Rand der Insolvenz. Unter Guts Verantwortung als Vorstandsvorsitzender verpflichtete sich Balda, sämtliche Verluste der verkauften Tochter zu übernehmen und vergaß, jegliche Grenzen zu setzen. Gut musste das Geschäft unter hohen Verlusten rückgängig machen.

Dies und andere Fehler erzürnten die Aktionäre. 2006 galt Balda noch als Geheimtipp. Unter der Pleite des Großkunden BenQ hatte das Unternehmen zwar schwer zu leiden, doch es gab auch eine große Hoffnung: Die chinesische Tochtergesellschaft TPK lieferte die zukunftsweisenden berührungsempfindlichen Bildschirme für das iPhone. Vom Riesen-Hype des Apple-Telefons würde auch Balda profitieren, so die Vorstellung. Internationale Investoren wie Audley Capital und Guy Wyser-Pratte stiegen ein. Der Aktienkurs kletterte auf zwölf Euro.

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