Joachim Hunold
Quereinsteiger auf Erfolgskurs

Joachim Hunold ist erst spät in die Fliegerei gestartet. In den ersten drei Jahrzehnten seines Lebens deutete nichts darauf hin, dass aus dem gebürtigen Düsseldorfer eine der führenden und schillerndsten Figuren in Europas Luftfahrtbranche werden würde. Für's Leben lernte er während seiner Studienzeit – doch nicht im Hörsaal, sondern an der längsten Theke der Welt.

HB FRANKFURT. Mit der Übernahme der LTU und dem Bündnis mit der einstigen Lufthansa-Tochter Condor macht der 57-Jährige aus dem Mallorca-Flieger Air Berlin eine Unternehmensgruppe. Dabei verbrachte der Rheinländer nach dem Abitur zunächst mehr als ein Dutzend Semester beim Jura-Studium und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kellner in der Altstadt von Düsseldorf. Die akademische Karriere erwies sich als schwierig: Hunold fiel im ersten Staatsexamen durch. Doch von der Lebenserfahrung hinter der Theke schwärmt er noch heute.

Es folgte mit knapp 30 Jahren der Neustart auf dem Düsseldorfer Flughafen bei der Be- und Entladung von Flugzeugen. Wenige Jahre später wechselte Hunold als Verkäufer zum Ferienflieger LTU. Binnen weniger Jahre avancierte der Seiteneinsteiger zum Vertriebs- und Marketing-Direktor. Doch er geriet mit dem damaligen Haupteigner WestLB aneinander, verließ 1990 das Unternehmen und spielte erst einmal Golf.

Kurz darauf der nächste Neustart: Hunold gründete mit Partnern die seit 1978 als US-Gesellschaft bestehende Air Berlin als deutsche GmbH neu - und machte sie binnen zehn Jahren zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Lange Zeit wurde Hunold mit seinen Shuttle-Flügen nach Mallorca in der Luftfahrt nicht ernst genommen. Reiseveranstalter wie TUI, Neckermann, ITS oder Alltours aber buchten schon bald größere Kontingente. Denn Hunold bot günstige Preise. Er übernahm als erster in Deutschland das Geschäftsmodell der Billigflieger, die in Irland und Großbritannien erste Erfolge feierten.

Auch an andere Regeln der Branche hielt sich Hunold nie: Bis heute bleiben die bei den meisten Flugunternehmen sehr starken Gewerkschaften bei Air Berlin vor der Tür. Bei den jetzt übernommenen Unternehmen dba und LTU muss er deren Einfluss nun notgedrungen schlucken. Hunold gibt sich gern als Kumpel, der bei Betriebsfesten selbst zapft. In der Unternehmenszentrale heißt der Chef für viele Mitarbeiter einfach „Achim“.

Auch von den Finanzmärkten mochte der Aufsteiger lange Zeit nichts wissen. Der unaufhaltsame Zwang zu weiterem Wachstum bei Air Berlin machte die Kapitalbeschaffung über die Börse notwendig. Die engen Grenzen für Veröffentlichungen bei Aktiengesellschaften empfindet Hunold gelegentlich als „Maulkorb“. Denn oft ist er der „Lautsprecher“ der Branche: Ob gegen Kerosinsteuer, Klimaschutzauflagen oder zuviel Bürokratie - um klare Worte ist Hunold nie verlegen.

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