Joachim Kröske hat sich nach Asien zurückgezogen
Ex-Telekom-Vorstand rechnet mit der Justiz ab

Für Joachim Kröske sind Deutschland, Bonn und die Telekom weit weg. Der ehemalige Finanzvorstand des Ex-Monopolisten lebt jetzt in Hotels auf den Philippinen und berät asiatische Elektronikunternehmen.

HB DÜSSELDORF. Doch die Idylle seiner Standortwahl trügt: Die nervenaufreibenden Ermittlungen um die vermeintliche Falschbewertung der Telekom-Immobilien und eine private Krise haben dem promovierten Betriebswirt die Lust auf Deutschland gründlich verdorben.

Rund zwei Drittel des Jahres verbringt der 61-jährige Witwer auf dem pazifischen Inselstaat. Dort sprechen viele Einheimische englisch, ebenso wie im eine Flugstunde entfernten Hongkong. „Da habe ich nicht solche Sprachprobleme wie in China“, erklärt er.

Kröske verkriecht sich in Asien aber nicht. Er richtet den Scheinwerfer gerade erneut auf den spektakulären Immobilienskandal, der den Anfang vom Ende der Ära Ron Sommer einleitete. Vor wenigen Tagen hat Kröske eine Amtshaftungsklage gegen das Land Nordrhein-Westfalen eingereicht. Dem Land untersteht die Bonner Staatsanwaltschaft, die in den vergangenen fünf Jahren gegen Kröske und weitere Ex-Telekom-Manager wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung und Kapitalanlagebetrug ermittelte.

Das Ergebnis ist bekannt: Zwar wurde das Verfahren, bei dem Kröske der Hauptbeschuldigte war, Anfang Juni wegen der drohenden Verjährung eingestellt. Die Staatsanwaltschaft wies in ihrem Beschluss jedoch auf den hinreichenden Tatverdacht der Beschuldigten hin, die zwischen 20 000 und 250 000 Euro (Kröske) an die Staatskasse zahlen mussten. Im Gegenzug fordert Kröske nun 20 000 Euro Schadensersatz und 50 000 Euro Schmerzensgeld vom Land. Notfalls will er bis zum Bundesgerichtshof gehen.

Der gebürtige Sachse wirft der Staatsanwaltschaft unter anderem vor, Akteninhalte verfälscht und Zeugenaussagen verkürzt zu haben. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein Staatsanwalt in einem Rechtsstaat wie Deutschland derart gegen die Gesetze verstoßen kann“, sagt Kröske. Bitterkeit und Empörung schwingen mit, wenn er über die Vergangenheit spricht. Voller Überzeugung beteuert er mehrfach: „Wir haben einwandfrei bewertet.“ Das will er jetzt beweisen. „Mir geht es mit der Klage gar nicht um meinen eigenen Ruf“, beteuert Kröske. Er empfinde vielmehr Verantwortung für seine ehemaligen Mitarbeiter und die Aktionäre: „Sie haben mir vertraut und haben das Recht auf eine Klarstellung.“

Sein Weg nach Asien hatte auch private Gründe: Nach 33 Jahren Ehe ist Kröskes Frau 2001 gestorben: „Das ist schon ein Bruch im Leben und relativiert vieles.“ Die beiden Kinder waren aus dem Haus und sein Name in Deutschland mit einem negativen Beigeschmack versehen. Nüchtern sagt er: „Der Gang nach Asien war für mich auch eine Art Problembewältigung.“

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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