Joachim Schoss
Der Mann mit den zwei Seiten

Ein Unfall zerstört seine Karriere. Aber Joachim Schoss, Gründer von Scout 24, gibt nicht auf. Gerne zitiert er jenen Unternehmersatz mit dem „Nicht-nach-hinten-Schauen“. Darum zieht er ein Internetportal für Behinderte hoch.

ZÜRICH. Joachim Schoss von links zu beschreiben liest sich so: Er ist ein kräftiger, blonder Mann, 44 Jahre alt, blaue Augen. Der dunkle Anzug sitzt perfekt, das Polohemd darunter unterstreicht seine sportliche Erscheinung. Er lächelt schmal und sagt Sätze wie: „Als Unternehmer musst du gucken, wo du stehst und sehen, was geht und was nicht mehr geht.“

Joachim Schoss von der rechten Seite zu beschreiben klingt so: Der Ärmel des Anzugs steckt in der Tasche. Der Arm fehlt. Das rechte Hosenbein ist nach vorne gestreckt und verbirgt eine Prothese. Eine Narbe verschwindet unter dem Hemdkragen. Er sagt Worte wie: „Ich schaue nach vorne und nicht nach hinten“, und sie könnten als Ermahnung an sich selbst gedacht sein. Er kenne sich aus mit der „Fragilität des Lebens“, sagen seine Freunde.

Der Mann mit den zwei Seiten hat für ein Menschenleben schon zu viel erlebt. Doch wenn er jemandem die Tür öffnet, sieht er nicht aus wie einer, der müde ist. Nein, dann steckt er voller Energie, berichtet von seiner Internetplattform „myHandicap.com“ und davon, wie er sich als Investor um eine Hand voll Firmenbeteiligungen kümmert. Geschäftspartner, die ihn früher als „auch mal durchtrieben“ bezeichneten, nennen ihn heute einen „Philantropen“. Aber wie es ihm geht, wenn er niemanden hier oben in seiner Villa mit dem Wahnsinnsblick auf den Zürichsee empfangen will, behält Schoss für sich.

Joachim Schoss stand mal mittendrin in einer Karriere, die darauf angelegt war, ihn nach ganz oben in den Olymp der Unternehmer zu katapultieren. Er war Gründer, Teilhaber und Präsident von Scout 24, jenem Internetportal, „das ich mit einem Freund im Flugzeug auf dem Rückweg aus den USA entworfen habe“. Die Worte könnte er verkünden wie einer, der an seiner Legende strickt. Doch sie klingen nüchtern. Es ist nicht die eigentliche Geschichte seines Lebens, sondern nur das, was davor geschah – vor dem schrecklichen Ereignis.

Er war auch Chef bei der Beisheim Holding, jenem Unternehmen, dass der Metro-Gründer schuf, um vielversprechende Internetfirmen unter seinem Dach zu versammeln. Schoss war damit auf dem besten Weg, sich sein Revier zwischen den deutschen Unternehmergrößen zu erobern, die es an die Ufer des Zürcher oder Zuger Sees gezogen hat: Otto Beisheim, Klaus Michael Kühne, Klaus Jacobs.

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