Job und Wohnen

Das Comeback der Werkswohnung

Weil in vielen Gebieten Deutschlands sowohl Wohnungen knapp sind als auch Fachkräfte fehlen, gehen Arbeitgeber im Wettbewerb um die besten Köpfe einen neuen Weg: Sie bieten ihren Mitarbeitern eine Wohnung zum Job.
Eine Idee aus dem 19. Jahrhundert feiert Renaissance. Quelle: Imago
Arbeitersiedlung Margarethenhöhe in Essen

Eine Idee aus dem 19. Jahrhundert feiert Renaissance.

(Foto: Imago)

BerlinDie Wirtschaft reagiert auf die Wohnungskrise. „Es ist ein kleiner Trend, aber ein Trend“, beobachtet Arnt von Bodelschwingh, Leiter des Berliner Forschungsinstituts Regiokontext. Das Thema betrieblich vermittelter oder gestellter Wohnungen für die eigenen Mitarbeiter erlebe eine Renaissance ¬– vor allem in Regionen mit deutlich angespannten Wohnungsmärkten.

Das liegt vor allem daran, dass der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter für die Unternehmen härter geworden ist. Ob Mitarbeiter eine bezahlbare Wohnung im Umkreis ihres Arbeitsplatzes finden, entscheidet immer mehr auch über die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. „Die Wirtschaft setzt auf Unternehmensattraktivität durch Wohnungsbau“, sagte von Bodelschwingh, der am Montag in Berlin eine Studie über das „Comeback der alten Werkswohnung“ vorlegte. Die Studie rechnet vor, dass bei Mitarbeiter-Wohnungen bezahlbare Mieten machbar sind. Vor allem dann, wenn Unternehmen eigenen Baugrund nutzten und der Staat spezifische Rahmenbedingungen für den Mitarbeiter-Wohnungsbau schaffe.

Nur so könne es gelingen, so von Bodelschwingh, private und öffentliche Arbeitgeber zum Mitarbeiter-Wohnungsbau zu motivieren. „Kommt es hier zu einer Wiederbelebung des Engagements, das Unternehmen früher einmal hatten, dann kann dies ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Wohnungskrise werden.“

Wo es 2030 in Deutschland noch teurer wird
Platz 15: Bremen
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In mehr als 80 Prozent der deutschen Großstädte haben sich die Preise für Wohnungen und Häuser in den vergangenen zehn Jahren nach oben entwickelt. Dazu hat vor allem die Urbanisierung beigetragen. Nach einer Auswertung der Postbank wird es in Bremen in Zukunft auch so weiter gehen. In den folgenden Städten wird es sogar noch teurer.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose bis 2030*: + 0,48 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen bis 2030**: + 0,21 Prozent

* Annahme: Von 2015 bis 2030 migrieren 1 Million Flüchtlinge in die Bundesrepublik (Bleiberecht inkl. Familienzuzug); die Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer erfolgt
nach dem Königsteiner Schlüssel, innerhalb der Bundesländer nach Bevölkerungsanteilen.
* Prognostizierte Preisentwicklung auf Basis der angenommenen Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingszuzug; Veränderungen des Verkaufspreises in Euro pro Quadratmeter.

Quelle: Postbank

Platz 14: Köln
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Auch in Köln werden die Preise steigen. Insgesamt werden sich in den kommenden 15 Jahren sich Städte und Regionen sehr unterschiedlich entwickeln: Weniger als die Hälfte der Städte werden noch wachsen, trotz Flüchtlingszuzug. Und: Die Bevölkerungsentwicklung einer Stadt und die Preise am Immobilienmarkt hängen eng zusammen, wie die Studie der Postbank zeigt.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,22 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 3,38 Prozent

Platz 13: Leipzig
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In vielen Städten mildern neue Mitbürger, denen nach dem Asylverfahren ein Bleiberecht und damit eine Perspektive gewährt werden, den Bevölkerungsrückgang zumindest ab. Vor allem der Osten kann vom Zuzug durch Flüchtlinge profitieren, während er in prosperierenden Städten Engpässe auf dem Immobilienmarkt noch verstärken wird.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,38 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 3,40 Prozent

Platz 12: Dresden
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Der Studie liegt die Annahme zugrunde, dass bis 2030 insgesamt etwa eine Million Menschen zuwandern – und der Zuzug damit etwa der Zahl der Flüchtlinge entspricht, die im Jahr 2015 ins Land kam. Die gegenwärtige Verteilung auf die Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel wird fortgeschrieben, innerhalb der Länder wird eine Aufteilung auf Städte nach Bevölkerungsanteilen angenommen.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,57 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 4,06 Prozent

Platz 11: München
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Grund für die erhöhte Wohnflächennachfrage in Städten wie München sind die steigende Anzahl von Haushalten, insbesondere Single-Haushalten, sowie der Wunsch nach mehr Wohnraum. „Der steigende Wohnflächenbedarf wird vor allem die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ankurbeln“, erklärt Postbank-Experte Dieter Pfeiffenberger.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,58 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 4,39 Prozent

Platz 10: Aaachen
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Die Preisstürze in den schrumpfenden Städten hingegen werden der Studie zufolge wahrscheinlich durch einen weiteren Trend abgemildert – nämlich durch die steigende Wohnflächennachfrage.

Bevölkerungs-entwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 2,06 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 6,33 Prozent

Platz 9: Düsseldorf
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In allen 36 untersuchten Städten sind die Immobiliengrößen pro Haushalt in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Wurde im Jahr 2005 noch auf 71,8 Quadratmetern gewohnt, sind es jetzt im Schnitt 73,3 Quadratmeter. Bis 2030 wird die Wohnflächennachfrage in drei Viertel der untersuchten Städte weiter steigen, prognostiziert die Studie.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 2,18 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 6,74 Prozent

Der Wohnungsbau in Deutschland ist lange vernachlässigt worden, vor allem im bezahlbaren Bereich. Mittlerweile fehlen hierzulande rund eine Million Wohnungen. Jährlich, so die Einschätzung von Bauexperten, müssten 400.000 Wohnungen bundesweit neu gebaut werden, um der Misere langsam den Garaus zu machen. Davon mindestens 60.000 Wohnungen für Haushalte mit mittleren und 80.000 Wohnungen für Haushalte mit unteren Einkommen. Ein Revival des Mitarbeiter-Wohnungsbaus könnte das unterstützen.

Neu ist das Thema allerdings nicht: Was heute als Mitarbeiter-Wohnung bezeichnet wird, hieß früher Werkswohnung. Schon im 19. Jahrhundert setzte in Deutschland der Werkswohnungsbau ein – vor allem in Bergbauregionen für die Arbeiter des damals stark expandierenden Wirtschaftszweigs. Im Ruhrgebiet wurden 1846 die ersten Werkswohnungen von Zechen errichtet. Stahlunternehmen wie Krupp folgten ab 1861.

Appell für einen Baustart
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