Jobverlust
Goldener Handschlag für Silberköpfe

Nach einer Studie der Bonner Wirtschaftsakademie sind über 50-Jährige in Zeiten klammer Konjunktur besonders gefährdet, arbeitslos zu werden. Sobald das Geschäft nicht rund läuft, droht den Silberköpfen häufig der goldene Handschlag. Das könnte sich bald schon rächen.



DÜSSELDORF. Bernd Erkner (Name geändert) kann auf eine bewegte und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Er leitete einige Firmen, baute in Dubai einen Verlag auf. Doch jetzt mit 53 Jahren verlor er seinen Führungsposten in einem internationalen Werbeunternehmen. Plötzlich steht der Wirtschaftsinformatiker auf der anderen Seite: "Früher habe ich Bewerbungen gesichtet und Leute eingestellt. Nun schreibe ich selbst welche und bekomme höchstens auf jede zehnte überhaupt Rückmeldung", erzählt Erkner bitter. Seit fast einem Jahr sucht er einen Job, hat gut 50 Bewerbungen losgeschickt - sogar eine für einen Minijob. Ohne Erfolg. "Das hat sicher mit meinem Alter zu tun, auch wenn das niemand offen ausspricht", ist Erkner überzeugt.



Der Manager ist kein Einzelfall. Nach einer Studie der Bonner Wirtschaftsakademie (BWA) sind über 50-Jährige in Zeiten klammer Konjunktur besonders gefährdet, arbeitslos zu werden. Ganze 76 Prozent der befragten Arbeitsmarkt- und Personalexperten räumten ein: Diese Altersgruppe verliert am ehesten ihren Job. "In Deutschland haben Beschäftigte 50plus immer noch nicht die Anerkennung im Betrieb, die sie aufgrund ihrer Berufs- und Lebenserfahrungen verdienen", beklagt BWA-Geschäftsführer Harald Müller. "Besonders in der Krise werden sie als Erste aussortiert." Müller vermisst im Angesicht von Alterung der Gesellschaft und Fachkräftemangel langfristiges Denken.

Heute droht Silberköpfen - wie die Generation neudeutsch heißt - häufig der goldene Handschlag, sobald das Geschäft nicht rund läuft. Sehr bald schon werden sich Unternehmen aber die Frage stellen müssen, woher sie gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte herbekommen. Dann wird sich allzu forsches Aufs-Altenteil-schicken rächen. Personalchefs, die heute noch die perfide Drohung aussprechen "Wenn Sie nicht freiwillig gehen, müssen wir leider zwei junge Kollegen entlassen", werden bald schlicht nicht auf "junge Kollegen" zurückgreifen können.

Ein für deutsche Unternehmen wenig vorteilhaftes Bild zeichnet auch die Studie "Das Urteil der 50plus" der Managementberatung Accenture, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Dafür haben 500 Beschäftigte zwischen 50 und 65 Jahren beurteilt, inwieweit sie gefördert und gefordert werden. Fazit: "Die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter werden immer noch zu wenig berücksichtigt, womit wertvolles Potenzial verschenkt wird", sagt Fred Marchlewski, Geschäftsführer im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung bei Accenture.

Zwar würden Millionen in sogenannte Aging-Workforce-Programme investiert. Diese sollen das Wissen und die Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter für das Unternehmen erhalten. Doch nach Meinung der Mitarbeiter gehen solche Programme oft völlig am Bedarf vorbei. Nur ein Drittel der älteren Arbeitnehmer ist mit den altersspezifischen Angeboten zufrieden.

Marchlewski: "Es scheint, als ob Unternehmen den Älteren zu wenig zutrauen und ihnen keine interessanten beruflichen Perspektiven bieten." Kein Wunder, dass viele ihre eigene Karriere beizeiten für beendet erklären. Oftmals steht im Vordergrund, die Weichen für das Ausscheiden aus dem Beruf zu stellen. Motivierend ist etwas anderes. "So vermissen viele Arbeitnehmer zum Beispiel altersgerechte Leistungsanreize und berufliche Perspektiven; mit der Weiterbildung sind besonders viele unzufrieden", sagt Marchlewski. Viele Programme richten sich an Mitarbeiter bis 50 Jahre - alle anderen scheinen schon abgeschrieben.

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