Jobwechsel
IG Metall sichert die Karriere

Die Arbeit für eine Gewerkschaft kann manchmal sehr karrierefördernd sein – besonders im VW-Konzern als Vertreter der IG Metall. Das jüngste Beispiel: Elke Eller, 44, die im Moment noch in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung führt.

DÜSSELDORF. Der Wolfsburger Autokonzern gab gestern bekannt, dass die studierte Ökonomin zum 1. Oktober neuer Personalvorstand bei der Finanzierungstochter VW Financial Services wird. Der Karrieresprung in den Vorstand einer wichtigen VW-Tochter wird für Elke Eller allerdings mit dem Verzicht auf einen anderen wichtigen Posten verbunden sein. Seit 2001 sitzt sie an einem zentralen Schalthebel: Sie ist einer der IG-Metall-Vertreter im VW-Aufsichtsrat.

Sie verspricht sich von dem neuen Job „eine gute Entwicklungsmöglichkeit, die Autobranche macht mir Riesenspaß“. Als Vorstandsmitglied der Finanztochter wird sie die ranghöchste Frau innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Bislang gab es bei den Wolfsburgern überhaupt keine Frau mit Vorstandsrang.

Der Wechsel zum Autohersteller ist natürlich mit dem IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters abgesprochen und auch von ihm abgesegnet worden. Die Gewerkschaft verspricht sich davon Einfluss in einem Teil des Konzerns, in dem es der klassische Gewerkschafter im Blaumann eher schwer hat. Bei den Financial Services mit 7 500 Beschäftigten dominieren die Banker; sie dürften eine Frau im Vorstand wohl am ehesten akzeptieren.

Bei VW sind die Grenzen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft bekanntermaßen fließend – besonders im Personalbereich. Deshalb ist die zweifache Mutter nicht der erste IG-Metall-Vertreter, der es bei den Wolfsburgern in den Vorstand schafft. Am bekanntesten ist noch Peter Hartz, der frühere Personalchef des gesamten Konzerns, an den sich nach Affären um geschmierte Betriebsräte und Prostituierte nicht mehr jeder gern im Unternehmen erinnern mag. Auch Nachfolger Horst Neumann kommt fast schon selbstverständlich von der IG Metall.

Fachlich genießt Elke Eller auch außerhalb von VW einen guten Ruf, seit bald 20 Jahren arbeitet sie für die IG Metall in der Autobranche. Laute Töne sind dabei nicht ihre Sache. Die Frau aus Hessen versucht stets, mit Ruhe ihre Argumente vorzubringen. Und hat damit häufig Erfolg.

Bei den Financial Services hat sie zudem einen großen Vorteil: Das Geschäft ist auf Expansion ausgerichtet, die Finanzierung von Autos läuft immer besser. Und deshalb wird sie als Personalvorstand nicht so schnell ein Sparprogramm mit Stellenabbau auflegen müssen wie ihre Kollegen aus der Produktion. Und auch das schafft erst einmal Gelassenheit.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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