Jochen Zeitz
Start in die zweite Karriere

Den Puma-Chef erwartet eine neue Herausforderung: Für den Großaktionär PPR soll der passionierte Flieger jetzt eine Sport-Lifestyle-Sparte aufbauen. Kern dieses Bereichs soll die Marke Puma werden.
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MÜNCHEN. Der Mann hat alles erreicht, was ein Manager eines börsennotierten Unternehmens schaffen kann. Er hat in jungen Jahren eine marode Firma saniert, er hat den Aktienkurs vervielfacht - und er ist reich geworden. Da ist es schwer, noch Herausforderungen zu finden.

Puma-Chef Jochen Zeitz aber hat jetzt eine neue, anspruchsvolle Aufgabe: Für den französischen Luxusgüterkonzern PPR, der die Mehrheit an der Raubtiermarke hält, soll der 47-Jährige in den nächsten Jahren ein zweites Standbein aufbauen, eine Sport-Lifestyle-Sparte. Kern dieses Bereichs soll Puma werden. "Angesichts der Erfahrung von Jochen Zeitz ist es gewiss keine Überraschung, dass wir ihn ausgewählt haben", sagte gestern PPR-Chef François-Henri Pinault.

Zeitz besetzt mit der neuen Funktion eine Schlüsselstellung in dem Konzern. Pinault baut seit geraumer Zeit sein Unternehmen um: Von den Handelssparten Fnac, Conforama und Redcats will er sich trennen. Stattdessen möchte der Milliardär stärker ins Sportmodegeschäft einsteigen. Derzeit wichtigste Säule der Firma, die 2009 einen Umsatz von 16,5 Mrd. Euro erzielte, ist der Luxusbereich rund um die Marke Gucci.

Zeitz und Pinault kennen und schätzen sich schon lange. Der Franzose, der mit der Schauspielerin Salma Hayek verheiratet ist, war Zeitz vor drei Jahren zu Hilfe gekommen, als dieser einen neuen Großaktionär für Puma gesucht hatte. Kurz nach dem Deal zog Zeitz in den Vorstand von PPR ein.

Zeitz hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Als der Manager 1993 die Verantwortung bei Puma übernahm, war das dem "Spiegel" eine ganze Seite wert. Mit seinen 30 Jahren war Zeitz damals der jüngste Vorstandschef Deutschlands.

Die Presse kommentierte den Aufstieg des Jungstars mit Skepsis. Erstens war der stämmige Mann der vierte Puma-Chef in drei Jahren, zweitens hatte er kaum Führungserfahrung. 1990 war er vom Konsumgüterriesen Colgate-Palmolive zu Puma gekommen und hatte die Leitung des internationalen Marketings übernommen. Der passionierte Flieger lernte schnell: Als Vorstandschef führte Zeitz die Firma bereits 1994 in die schwarzen Zahlen, mit Kampfgeist und taktischem Geschick etablierte der Ex-Football-Spieler die Raubkatze als Nummer drei im globalen Geschäft mit Turnschuhen und Trikots.

In den vergangenen Jahren ist Puma aber gegenüber den großen Rivalen Nike und Adidas zurückgefallen. Immer öfter musste sich Zeitz die Frage gefallen lassen, wie er die Marke wiederbeleben will.

Ums Tagesgeschäft in Herzogenaurach wird sich der Manager künftig nicht mehr kümmern. Stattdessen wird er sich auf die Suche nach Übernahmekandidaten machen, um die neue Sparte aufzubauen. "Wir wollen weltweit starke Marken, die Puma ergänzen", so PPR-Chef Pinault.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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