Jörg Asmussen, Schlüsselfigur in der IKB-Krise
Die ersten kleinen Krisen des Herrn A.

Jörg Asmussen ist Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium – und wird von führenden Bankern stets gelobt. Die Krise der IKB ist nun etwas wie der erste Fleck auf der bislang weißen Weste des Senkrechtstarters: Der für die Finanzpolitik zuständige Asmussen gerät in Erklärungsnot.

BERLIN. Wer mit den Bossen deutscher Banken über Jörg Asmussen redet, bekommt nur Lobeshymnen zu hören. Selbst Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, sagt über den Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, dass er „hochintelligent“ sei, sich „bestens in der deutschen Bankenszene auskenne“ und über „ein eindrucksvolles Netzwerk“ verfüge. Kritik an dem einflussreichen Finanzbeamten mit SPD-Parteibuch kommt höchstens von einigen Lobbyverbänden oder von politischen Gegenspielern.

In den nächsten Wochen könnten sich die unangenehmen Fragen an den Leiter der Abteilung nationale und internationale Finanz- und Währungspolitik jedoch häufen. Als Vertreter der Bundesregierung im Aufsichtsrat der IKB Deutsche Industriebank, gehört Asmussen zu den Schlüsselfiguren in der US-Immobilienkrise der Düsseldorfer Mittelstandsbank. Die FDP hat bereits eine Sondersitzung des Finanzausschusses beantragt, in der vor allem geklärt werden soll, wann die Bundesregierung von den Risiken wusste. Offiziell begründet das Bundesfinanzministerium das späte Eingreifen mit der Informationspolitik des früheren IKB-Vorsitzenden. Mehrere Mitglieder im Verwaltungsrat der KfW-Bankengruppe, die mit knapp 40 Prozent größter Anteilseigner der IKB ist, kritisieren diese Erklärung als nicht ausreichend und sehen weiteren Klärungsbedarf.

Für Asmussen, der im Bundesfinanzministerium eine Blitzkarriere vom Referenten zum Abteilungsleiter hingelegt hat, ist das IKB-Desaster bereits die zweite Krise in kurzer Zeit. Vor knapp einem Jahr musste sich Asmussen rechtfertigen, dass die Korruptionsaffäre bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nicht durch mangelhafte Aufsicht des Ministerium begünstigt wurde. Am Ende konnte dem wichtigen Abteilungsleiter von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.

Ob die IKB-Krise ebenso glimpflich an Asmussen vorbeigeht, bleibt abzuwarten. Asmussen selbst fühlt sich offenbar auf der sicheren Seite. Ende vergangener Woche begann er planmäßig einen dreiwöchigen Urlaub.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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