Jörgen Bodum legt sich ins Zeug
Keine Angst vor Verlusten

So ein Satz hat Seltenheitswert. „Es ist nicht schlimm, wenn wir ab und an rote Zahlen schreiben“, sagt Jörgen Bodum. Doch Der Däne hat keine Angst vor Verlusten. Er krempelt den Schweizer Hersteller von Tee- und Kaffeegeschirr kräftig um.

HB DÜSSELDORF. Und seine Stimme klingt warm und geduldig, wenn er mit dänischem Akzent deutsch spricht. „Dann weiß man, dass man sich wieder mehr anstrengen muss“, fügt der Geschäftsführer und Inhaber des Haushaltswarenherstellers Bodum hinzu.

Nun, das vorige Geschäftsjahr hat das in Dänemark gegründete und seit langem in der Schweiz residierende Unternehmen laut Bodum mit Gewinn abgeschlossen. Trotzdem gab – und gibt – es für den 57-Jährigen und seine 650 Mitarbeiter reichlich Grund, sich ins Zeug zu legen.

Der Hersteller von Tee- und Kaffeegeschirr hat zu viel Ware über Supermärkte und Discounter verkauft – und damit den Fachhandel verärgert. „Die Händler bewundern so eine Maßnahme nicht“, sagt der gebürtige Däne etwas umständlich und schickt ein Grinsen hinterher. „Zudem tut es der Marke nicht gut.“

Der Bundesverband für den ge-deckten Tisch, Hausrat und Wohn-kultur e. V. (GPK) wird deutlicher: „Bodum verfolgt eine Vertriebspolitik, die keine enge Kooperation mit dem Fachhandel vermuten lässt.“ Es ist von verärgerten Händlern die Rede, die den Glauben an das Unternehmen verloren hätten. Traditionell beliefert Bodum rund 80 eigene Shops sowie Fachhändler, Warenhäuser und Möbelgeschäfte. Supermarktkonzerne wie Tengelmann oder Rewe sind jedoch als Vertriebspartner in den vergangenen Jahren immer stärker geworden.

Um das Schlimmste zu verhindern, hat Jörgen Bodum die Notbremse gezogen. Er stoppte im vorigen Jahr den Verkauf bei Plus, Penny & Co. und führte die Marke Melior ein. Unter diesem Namen will er ein kleines Sortiment von Kannen und Tassen in Supermärkten und Drogeriemärkten anbieten.

Während das Preisniveau der Stammmarke zwischen 30 und 100 Euro rangiert, sind Melior-Produkte für zehn bis 30 Euro erhältlich. Gleichzeitig will der Chef die Stammmarke aufwerten: Weniger Plastik, mehr Edelstahl, edles Glas und Porzellan. „Wir haben gelernt, dass niemand ein nettes Geschenk auf dem Wühltisch eines Supermarkts wiederfinden möchte“, sagt der Familienunternehmer.

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