Jörn Kreke
Image von Douglas-Patriarch leidet

Durch starke Verluste im Beerdigungsgeschäft hat das Image des Douglas-Patriarchen Jörn Kreke einen Kratzer abbekommen. Kreke hält das Risiko aber für einen notwendigen Wegbegleiter.
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DüsseldorfInvestiere nur in Dinge, in denen du dich auskennst", mahnte vor Jahren US-Investor Warren Buffett die Finanzbranche. Hätte Jörn Kreke, einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer und heute Aufsichtsratschef des MDax-Konzerns Douglas, auf das "Orakel von Omaha" gehört, wäre ihm wohl ein ärgerlicher Verlust erspart geblieben.

Dem 71-jährigen Wirtschaftsführer, der bei Douglas mit dem Versprechen von Schönheit und ewiger Jugend sein Geld verdiente, verpasst nun ausgerechnet der Ausflug ins Beerdigungsgeschäft einen finanziellen Schaden. Krekes Factoringfirma ADI GmbH, die über eine Tochterfirma regelmäßig Forderungen von knapp 200 deutschen Bestattern aufkauft, musste am vergangenen Mittwoch beim Amtsgericht Hagen Insolvenz beantragen.

Die bislang fast einzigartige Erfolgsgeschichte Krekes erhält damit einen Kratzer. 1969 hatte der gebürtige Kölner von seinem Vater Herbert Eklöh die Konfiseriekette Hussel übernommen, was ihn mit 29 Jahren zum jüngsten Vorstandschef einer deutschen Aktiengesellschaft machte. Kurz darauf stieg er beim Duftfilialisten Douglas ein, kaufte sich in den Buchhandel ein (heute "Thalia") und eröffnete Schmuckläden wie Christ und René Kern.

Als Kreke den Vorstandsvorsitz der Douglas AG 2001 an seinen Sohn Henning abgab, setzte der Konzern 2,2 Milliarden Euro um - 60-mal so viel wie beim Amtsantritt des Seniors. Das Aktienpaket der Familie, die über die Investmentgesellschaft Lobelia knapp über zwölf Prozent der Anteile hält, bewertet die Börse heute mit rund 170 Millionen Euro.

Doch weder der neue Job im Douglas-Aufsichtsrat noch sein Stiftungs-Engagement bei der Fern-Uni Hagen füllten den Senior offenbar aus, nachdem sich dieser aus dem operativen Geschäft verabschiedet hatte. Krekes neues Engagement galt der Beerdigungsbranche - und das nicht ohne Grund: 2004 hatte die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die Krankenkassen-Zuschüsse für Begräbnisse gestrichen. Weil dadurch viele Bestatter auf ihren Rechnungen sitzenblieben, bot sich für Factoringunternehmen ein neuer Geschäftszweig.

In diesen stieg Jörn Kreke mit seiner Beteiligungsgesellschaft Lobelia ein, die bei der Hagener ADI GmbH Geschäftsanteile erwarb. Den Wink erhalten hatte Kreke von ADI-Miteigentümer Jan-Christoph Maiwaldt. Mit dem IT-Experten hatte Kreke mehrere Jahre im Douglas-Vorstand verbracht. Auch Maiwaldt war 2001 dort ausgeschieden.

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