Johannes Teyssen
Eons Kronprinz vor der Krönung

Seitdem ist die Aufgabenteilung klar. Bernotat ist der Außenminister. Im Wochentakt gibt er Interviews, sucht den Kontakt mit Politik und Verbrauchern, um das angekratzte Image des Energiekonzerns aufzupolieren und gute Rahmenbedingungen durchzusetzen. Der groß gewachsene Teyssen ist der Innenminister, der nach der Einkaufstour der Vorjahre Eon wieder in Form bringen muss – und er hat damit genug zu tun, um sich für höhere Aufgaben zu bewähren: Er muss Eon für den sich verschärfenden Wettbewerb fit machen, auf eine strengere Regulierung einstellen, die Kosten senken und die Wirtschaftskrise meistern. Das deutsche Vertriebsgeschäft hat Teyssen, dem Mitarbeiter und Konkurrenten großes Verhandlungsgeschick zuschreiben, schon neu geordnet. Jetzt muss er das Sparprogramm „Perform-to-win“ durchsetzen, mit dem Eon das Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr verbessern will – in einem durch hohe Gewinne verwöhnten Konzern, in dem die Belegschaft das Sparen erst noch lernen muss.

Die Rollenverteilung ist zwar sinnvoll. Beide Manager kämpfen, um Eon für die Zukunft zu stärken, und beide haben dabei alle Hände voll zu tun. Doch in Zeiten, in denen das Geschäft nicht mehr rund läuft, gibt ein Vorstandschef in spe Anlass zu Spekulationen. Und es läuft nicht mehr rund bei Eon. Bernotat muss die neuen Beteiligungen in Spanien, Italien und Frankreich schon abwerten, kämpft mit einer hohen Verschuldung und drosselt wegen der Wirtschaftskrise die Prognose.

Als Teyssen vor einem Jahr beispielsweise auf einer Energiekonferenz kritisiert, Eon habe den Boom der erneuerbaren Energien verschlafen, versuchen die Zuhörer zwischen den Zeilen zu lesen: Sägt da einer schon in aller Öffentlichkeit am Stuhl seines Chefs? Danach hält sich Teyssen, der sich früher häufig und gerne in Diskussionsrunden mit politischen Gegnern stritt, mit öffentlichen Auftritten und Interviews zurück. Offenbar um die Gerüchteküche nicht weiter anzuheizen.

Aber an seine künftigen repräsentativen Aufgaben wird Teyssen bereits herangeführt. Im Februar empfängt er in der Eon-Zentrale Fürst Albert von Monaco. In der vergangenen Woche ist es nicht Bernotat, sondern sein Stellvertreter, der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu einem Vortrag begrüßt.

Und jetzt wird der Führungswechsel stilvoll eingeleitet. Bernotat darf seinen Abgang selbst verkünden. Darf erklären, dass er sich „beruflichen Herausforderungen jenseits des operativen Geschäfts stellen“ wolle. Er habe sehr konkrete Vorstellungen und wolle „Aufgaben mit internationaler Dimension“ übernehmen. Bernotat darf noch einmal seine Erfolge Revue passieren lassen, mit denen er trotz aller Sorgen Eon mit einem Umsatz von 87 Milliarden Euro zu Europas Nummer eins geformt hat – und er darf noch mal den Applaus der Aktionäre genießen.

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