Joint Ventures
Lieber der Herr im eigenen Haus

In deutschen Firmen wächst das Interesse, in Russland Fuß zu fassen. Der Weg über ein Joint Venture mit einheimischen Partnern zur Eroberung des Marktes gilt dabei als ein klassischer Einstieg. Doch solche Konstruktionen bergen Gefahren.

BERLIN. Mit Gemeinschaftsunternehmen sei es doch oft so, sagt Peter Kölle: „Da liegen zwei in einem Bett und träumen beide etwas anderes.“ Kölle weiß, wovon er redet. Er ist der Chef des Bereichs GUS-Staaten bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) in Moskau und kennt eine Vielzahl solcher Projekte – vor allem in Russland.

In deutschen Firmen wächst das Interesse, in dem Land Fuß zu fassen. Wegen der guten wirtschaftlichen Daten und des Ölpreisbooms werden viele neugierig auf den größten Flächenstaat der Erde. Der Weg über ein Joint Venture mit einheimischen Partnern zur Eroberung des Marktes gilt dabei als ein klassischer Einstieg.

Doch für die meisten Firmen, die auf Erfahrungen in Russland zurückblicken, ist klar: Besser ist es, der alleinige Herr im Hause zu sein. Sie suchen die Scheidung von ihrem russischen Pendant oder haben sie bereits vollzogen. Ein Joint Venture habe sicher Vorteile, meint der HVB-Banker Kölle. Dazu zähle das lokale Know-how der einheimischen Partner. Zudem komme der Markteintritt über ein Gemeinschaftsunternehmen auch billiger. Doch das Joint Venture berge auf Grund unterschiedlicher Geschäftsmentalitäten eine Menge Konfliktpotenzial.

Unter deutschen Russland-Managern kursiert ein Witz: Erst hätten die Deutschen das Geld und die Russen die Erfahrung – nach einem Jahr sei es meist umgekehrt.

Auch der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel hat in Russland seine Aktivitäten umgebaut. Der Konzern beschäftigt dort mehr als 2 000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten. Anfang der 90er-Jahre hatte sich Henkel über Beteiligungen Zugang nach Russland verschafft. „Heute haben wir unsere Anteile überwiegend auf einhundert Prozent hochgeschraubt“, sagt Christian Harten, Präsident der Henkel Group Russia.

Der Grund: Die russischen Partner seien nicht schnell genug mit der Entwicklung des Marktes mitgekommen, erzählt er auf der zweiten Handelsblatt-Konferenz „Russland“ in Berlin. Man habe zwar auch heute noch gute Kontakte. Doch es sei besser, die volle Kontrolle zu haben.

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