Jorge Lemann
Der unbekannte König des Bieres

Der Brasilianer Jorge Lemann herrscht bald über 30 Prozent des weltweiten Biers: darunter Beck's und Fosters. Er selbst bleibt jedoch meist nüchtern – und wollte eigentlich Tennis-Profi werden.

Es ist ein peinlicher Fauxpas. Da kommt der reichste Brasilianer zu Besuch, der Strippenzieher beim größten Bierkonzern der Welt. Der auch die Geschäfte bei US-Konzernen wie Burger King und Heinz Ketchup dominiert. Und niemand erwartet ihn.

Erst nach einem Anruf lassen Sicherheitsbeamte des Planalto-Palastes Jorge Paulo Lemann durch, er muss den allgemeinen Aufzug nehmen. Aber er wirkt gelassen, ob des ungewöhnlichen Empfangs bei Präsidentin Dilma Rousseff. Und wartet bis der Aufzug kommt. Die Szene aus dem Juni passt zu ihm. Anders als groß aufgestiegene und tief gefallene, zu Protz neigende Investoren Brasiliens ist er ein zurückhaltender Finanzstratege, der wenig auf Status oder Popanz zu geben scheint. Geprägt von protestantischer Arbeitsethik und den Schweizer Wurzeln.

Der Vater war Käsehändler im Emmental, bevor er auswanderte. Mit 25 Milliarden US-Dollar Vermögen wird sein Sohn, der Harvard-Absolvent Lemann bei Forbes auf Platz 26 der reichsten Männer der Welt geführt. Als Ursprung seines Reichtums heißt es dort: „Beer, Self Made“. Dabei ist Jorge Lemann gar kein Biertrinker. Und äußerst diszipliniert: Er steht angeblich um 5.30 Uhr auf und geht meist bis 22 Uhr zu Bett.

Er gibt praktisch keine Interviews, konzentriert sich aufs Geschäft. Und steht nun wohl vor dem Höhepunkt eines vor 26 Jahren begonnenen Einkaufsmarathons in Sachen Biermarken. Der bereits weltgrößte, von ihm und mehreren Geschäftspartnern über die Investmentfirma 3G Capital beherrschte Konzern AB Inbev will den zweitgrößten Bierbrauer SAB Miller für 92 Milliarden Euro übernehmen. Damit würden 30 Prozent des Bieres weltweit künftig vom gleichen Konzern kommen - von Beck's bis Foster's. Übrigens wird AB Inbev von dem Brasilianer Carlos Brito geführt. Lemann ist sein Förderer, die Gewerkschaften sind nicht gerade begeistert vom Saniererkurs am Sitz in Belgien.

Auch mit 76 Jahren wirkt Lemann auf Fotos drahtig, fast asketisch, früher war er Tennisprofi, fünf Mal brasilianischer Meister, spielte in Wimbledon und im Davis Cup, aber es reichte nicht ganz nach oben.

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Ein Lob von Warren Buffett

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