Jorma Ollila folgt Aad Jacobs an der Spitze des Verwaltungsrates
Mr. Nokia geht zu Shell

Royal Dutch Shell hat Ernst gemacht und mit einer Tradition gebrochen: Zum ersten Mal in seiner Geschichte wird ein Top-Posten im zweitgrößten Öl-Konzern Europas nicht mit einem Niederländer oder einem Briten besetzt.

HB DÜSSELDORF. Gestern gab Shell bekannt, dass ab Juni 2006 der Finne Jorma Ollila, derzeit noch Chef von Nokia, als Non-Executive Chairman an die Spitze des neu geschaffenen Verwaltungsrates rücken und dort den Niederländer Aad Jacobs beerben wird. Der 69-jährige Jacobs scheidet aus dem Gremium aus.

Der Schritt markiert eines der letzten Kapitel im Konzernumbau. Vor wenigen Wochen hatte der Ölmulti seine komplizierte niederländisch-britische Doppelstruktur vereinheitlicht. Darauf hatten Investoren gedrängt, nachdem Shell wegen Versäumnissen des Managements seine Ölreserven auf einen Schlag stark nach unten korrigieren musste. Bis dahin hatten die beiden Konzernmütter Shell Transport Trading und Royal Dutch Petroleum jeweils einen eigenen Vorstand und eigenen Verwaltungsrat.

Jacobs war seit 2002 Chairman des Boards von Royal Dutch und nur als Übergangskandidat an die Spitze des neuen Kontrollgremiums bei Shell gerufen worden. Bis zu seiner Pensionierung 1998 war er Chef der ING-Gruppe. Die Suche eines Nachfolgers war nicht einfach, da hinter den Kulissen feststand, dass dieser weder Niederländer noch Brite sein durfte. Trotz der Fusion der beiden Konzernteile gibt es offenbar noch die Furcht im Unternehmen, dass Shell „zu britisch“ oder „zu niederländisch“ geprägt werde. An der Spitze des Managements steht der Niederländer Jeroen van der Veer.

Die Wahl von Ollila findet unter Analysten ein gutes Echo: Der Umstand, dass er aus der Telekommunikationsbranche komme, sei kein Nachteil, heißt es. Der Finne hat aus dem in verschiedenen Industriezweigen tätigen Nokia-Konzern den international größten Mobiltelefon-Produzenten gemacht. Ollila könne auf „anerkannte Erfolge bei der Leitung einer komplexen Organisation“ verweisen, sagte Shells stellvertretender Chairman, Lord Kerr of Kinlochard.

Ollila, der nach 13 Jahren den Chefsessel bei Nokia für Olli-Pekka Kallasvuo räumen wird, will vorerst im Verwaltungsrat von Nokia bleiben, aber dem beliebtesten Manager Finnlands werden auch politische Ambitionen nachgesagt.

Bei Shell wird er gut eingespannt sein: Der Konzern kämpft gegen ein fallendes Produktionsvolumen und muss bei großen Projekten erhebliche Verzögerungen und steigende Kosten verarbeiten.

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