Josef Ackermann
Spitzenbanker auf dem Weg nach draußen

Ehrgeizige Ziele, tolle Bilanzen, umstrittene Gesten - Josef Ackermann polarisiert, und gilt trotzdem als der große Spitzenbanker der deutschen Finanzbranche. Das Porträt eines polarisierenden Managers.
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FrankfurtManchmal strahlt Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann eine nahezu unerträgliche Arroganz aus: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn. Andererseits ist er als Deutsche-Bank-Chef höchst erfolgreich gewesen: Er führte die Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich auch schon wieder als Arroganz ausgelegt.

Am Montagabend teilte die Deutsche Bank überraschend mit, Ackermann wolle nun doch nicht in den Aufsichtsrat der Bank wechseln, wenn er sein Amt als Vorstandsvorsitzender im Mai 2012 abgibt. Damit steht seine Karriere vor dem Ende. Kurz zuvor hatten Anwälte der Deutschen Bank erklärt, das Vorstandsbüro Ackermanns sei von der Münchener Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund sei der Kirch-Prozess.

Dabei werde nun auch gegen Ackermann, Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und den früheren Bankvorstand Tessen von Heydebreck wegen Verdachts der Falschaussage und des versuchten Prozessbetrugs ermittelt, erklärten die Anwälte weiter. Es geht bei dem Prozess in München seit Monaten um die Frage, ob die Bank einst den Medienunternehmer Leo Kirch in den Ruin getrieben hat.

Für das laufende Jahr hatte Ackermann ein Rekordziel ausgegeben: Der Vorsteuergewinn der operativen Geschäftseinheiten sollte von 7,2 Milliarden Euro auf zehn Milliarden Euro steigen. Doch dieses Ziel musste Ackermann angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen wieder zurücknehmen.

Der 63-Jährige gilt vielen als Buhmann und Musterbeispiel des ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Kapitalisten. Ihm werden aber auch analytischer Weitblick, ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, ausgleichendes Wirken sowie eine herausragende kommunikative Begabung - schlicht: Charme - nachgesagt. Ackermann ist exzellent vernetzt in Wirtschaft und Politik. Unter anderem ist er Chef des Institute of International Finance in Washington, des Bankenverbandes, der den Schuldenschnitt für Griechenland mit der Eurozone ausgehandelt hat.

Derzeit fragt den Schweizer aus dem Kanton St. Gallen auch die Bundesregierung nach seiner Einschätzung. Die Bundeskanzlerin gab einst zu seinem 60. Geburtstag ein Abendessen im Kanzleramt.

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Lange Jahre auch der große Spitzenverdiener

Kommentare zu " Josef Ackermann: Spitzenbanker auf dem Weg nach draußen"

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  • Herr Ackermann ist wohl der missverstandenste Bankmanager in Deutschland.

    Allen ist die 25 %-Vorgabe. Alle dachten dabei an eine interne Zielvorgabe. Die Aktionäre wissen es heute besser. Der Wert ihrer Aktie hat sich auf dieses Niveau begeben, sein Gehalt dagegen ist fürstlich geblieben.

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