Joseph Arthur Rank begann seine Karriere mit religiösen Lehrfilmen
„King Arthur“, Gottes Filmmogul

Besprechungen eröffnete Joseph Arthur Rank gern mit einem Gebet, und zuweilen konnte er es sich nicht verkneifen, die Anwesenden darauf hinzuweisen, dass Jesus Christus mit ihnen im Raum sei. Auch als erfolgreicher Unternehmer ließ der Brite nie einen Zweifel aufkommen: Die Religion bestimmte sein Leben.

DÜSSELDORF. Der Wunsch, die Botschaft seines Glaubens unter die Menschen zu bringen, war denn auch Ursprung für seinen wirtschaftlichen Erfolg – ihm entsprang die Idee, ins Filmgeschäft einzusteigen. Ranks Produktionen verhalfen dem britischen Film zu internationaler Bekanntheit. Doch mit dem Filmgeschäft gab er sich nicht nicht zufrieden – er bewies, dass er auch von der Nahrungsmittelproduktion, dem Metier seines Vaters, und der noch jungen Bürokommunikationsbranche etwas verstand. Was war sein Erfolgsgeheimnis? Rank antwortete schlicht, er verdanke das alles Gott.

Geboren wurde Joseph Arthur Rank 1888 als jüngster Sohn eines wohlhabenden britischen Mehlfabrikanten. Der Glaube war in seiner Familie tief verwurzelt. Die Ranks gehörten der methodistischen Kirche an, einer Abspaltung von der anglikanischen Kirche. Die Arbeit für die christliche Erweckung, Kern des methodistischen Sendungsbewusstseins, begleitete Rank sein ganzes Leben.

Sein Vater war von den Talenten des kleinen Joseph nicht gerade überzeugt und glaubte, dass dieser „Dummkopf in der Schule“ im Leben nur dann halbwegs Erfolg haben könne, wenn er im väterlichen Unternehmen bleibe, in „der Mühle“. Auch der Biograf Michael Wakelin bescheinigt Rank eine gewisse „intellektuelle Trägheit“. Die Welt des Glamour, der Stars und der Eitelkeiten, in der er als Filmproduzent lebte, schien ihn wenig zu berühren, und trotz seines immensen Vermögens blieb er bescheiden.

Das Metier seines Vaters sagte dem jüngsten Rank offenbar zu, doch nicht dessen Aufsicht. So versuchte er, eine eigene Mehlfabrikation aufzubauen. Doch er scheiterte und kam dann zunächst in der väterlichen „Mühle“ unter. Als diese mit einem anderen großen Mehlfabrikanten fusionierte, betraute man ihn mit dem Marketing – und hier zeigte er Talent. Doch die Unternehmensführung übernahm später – wie geplant – sein ältester Bruder. Rank suchte nach einer neuen Herausforderung.

Die fand er während der ehrenamtlichen Arbeit in einer methodistischen Sonntagsschule: Dabei kam ihm die Idee, dass Filme das ideale Medium zur Verbreitung des Evangeliums sein könnten. 1933, mit Mitte 40, gründete er die Religious Film Society, die Lehrfilme produzierte. Doch die Erweckungsfilme waren kein Erfolg, und da sie in Kirchen und Gemeindehäusern, nicht aber im Kino liefen, war an Profit nicht zu denken.

Also begann Rank, sich auf Publikumsfilme zu konzentrieren. Angespornt hatte ihn ein Artikel in der Zeitung „Methodist Times“, der den wachsenden Einfluss amerikanischer Filme auf die britische Gesellschaft beklagte. Über 80 Prozent aller in Großbritannien gespielten Filme kamen zu jener Zeit aus den USA. Rank fühlte sich berufen, dem entgegen zu treten. Startkapital hatte der Sohn wohlhabender Eltern genug, und er fand Verbündete, etwa den gewieften Filmverleiher C. M. Woolf. Rank kaufte Kinos und Verleihfirmen und baute sich so ein Filmimperium auf.

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