Journalismus
Vom Westen in den Norden

Katharina Borchert wechselt nach drei Jahren als Internet-Chefin bei der "WAZ"zum "Spiegel". In ihrer Zeit führte Borchert die rückständigen Internetauftritte der Zeitungen des Hauses unter dem Dach "Der Westen" zusammen. "WAZ"-Chef Bodo Hombach wird die Sache nicht schmecken.

DÜSSELDORF. Emotional ging es zu, gestern im Produktionsraum des Westens, dem Online-Zentralangebot der Zeitungen der "WAZ"-Gruppe. Die Redakteure erhielten eine Nachricht, die viele von ihnen schockte: Ihre Chefin Katharina Borchert teilte mit, dass sie am 1. April kommenden Jahres gehen wird. Die 36-Jährige wird Geschäftsführerin von Spiegel Online.

Auch Borchert selbst ging die Verkündung nahe: "Es ist mir unheimlich schwergefallen, diese Entscheidung zu fällen. Ich habe hier viele tolle Kollegen und hätte sonst wohl nirgendwo so eine Chance bekommen." Andererseits: "Na ja ... Es ist eben der ,Spiegel?!"

Für die Online-Ambitionen der "WAZ" ist die Personalie ein Schlag. Erst mit Borchert tauchten die Essener wirklich im Internet auf. Sie führte die zersplitterten und rückständigen Netz-Auftritte der Zeitungen des Hauses unter dem Dach "Der Westen" zusammen. Vor einigen Monaten überholte das Angebot in Sachen Seitenabrufe jenes des Erzrivalen "Rheinische Post" (Düsseldorf) und ist damit die meistgeklickte Homepage einer deutschen Lokalzeitung. Auf 6,9 Millionen Besuche kam der Westen im August - eine Verdreifachung der Zahlen, mit denen die Seite Ende 2007 an den Start ging, die 78 Millionen Seitenabrufe sind gar viermal so viel wie zu Beginn.

"Wir haben bewiesen, dass unser Konzept und die Dachmarkenstrategie richtig sind", sagte Borchert dem Handelsblatt: "Der Westen ist in der Region eine Marke geworden. Wir erreichen neue Zielgruppen, gerade auch durch unsere Social-Media-Experimente." Und: "Online hat bei der ,WAZ? dank des Westens eine andere Bedeutung als noch vor drei Jahren." Immer wieder gelang es ihr, den Westen geschickt in Szene zu setzen: So jüngst durch die Kooperation mit dem ZDF - dieses stellt für überschaubares Geld Videos zur Verfügung. Insider berichten allerdings, dass die zugelieferten Videos vergleichsweise wenig geklickt werden.

"WAZ"-Chef Bodo Hombach gibt sich ob des Abgangs gelassen: "Der Westen ist mit ihr gewachsen und Katharina Borchert mit und bei uns. Ihr Karrieresprung ist logische Folge dieser positiven Entwicklung." Und doch wird ihm die Sache nicht schmecken. Denn Borchert gehört zu den Seinen in der täglichen Stellvertreterschlacht mit Christian Nienhaus. Denn der "WAZ"-Konzern gehört zwei Familien: Hombach vertritt den Stamm der Brosts, der ehemalige Axel-Springer-Manager Nienhaus den der Funkes.

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