Jürg Oleas
Geas Ruhiger Umkrempler

Jürg Oleas hatte seinen Aufhebungsvertrag schon unterschrieben. Dann bekam er eine neue Chance. Nun hält er sich länger an der Spitze der Gea-Gruppe als viele Vorgänger - und baut den Hersteller von Spezialmaschinen kräftig um.

DÜSSELDORF. Er hat viel bewegt. Als Jürg Oleas vor fünf Jahren den Vorstandsvorsitz übernahm, hatte der Konzern noch einen anderen Namen, einen anderen Firmensitz und viel mehr Töchter als heute. Inzwischen hat der tatkräftige Schweizer aus der MG Technologies AG in Frankfurt die Gea Group in Bochum geformt und die einst zentrale Sparte Großanlagenbau ebenso abgestoßen wie zahlreiche Randgeschäfte.

Gea ist unter der Ägide des 51-Jährigen ein fokussierter Spezialmaschinenbauer geworden, der sich auf die Branchen Nahrungsmittel und Energie konzentriert. Jeder vierte Liter Milch weltweit wird mit Gea-Anlagen gemolken oder weiterverarbeitet. Jeder zweite Liter Bier fließt durch Gea-Komponenten.

Der kleine, drahtige Manager, der seine Freizeit gerne in den Bergen verbringt, hat die ehemalige Metallgesellschaft, die in den neunziger Jahren durch Ölpreisspekulationen schon am Abgrund stand, kräftig umgekrempelt. Und jetzt will er dies mit einer neuen Struktur krönen. Er will den Spezialmaschinenbauer in fünf Bereiche gliedern, die konsequent auf Produkte wie Melktechnik, Pumpen oder Kältetechnik ausgerichtet sind. Bislang waren es vier mehr. Zudem waren sie wild durchmischt.

Oleas verweist auf das wichtige Geschäft mit Wärmetauschern, das ein Drittel des Umsatzes von zuletzt rund fünf Milliarden Euro ausmacht. Das war bislang auf fünf Divisionen verteilt, künftig ist es in einer zusammengefasst. "Die derzeitige Struktur der Divisionen, die seit 1997 weitestgehend unverändert geblieben ist, hat mit dem rapiden Wachstum und den Akquisitionen der letzten Jahre zu viele Produktüberlappungen erzeugt", sagt der Vorstandschef.

Der polyglotte Manager, der in Ecuador geboren wurde und den seine Karriere unter anderem nach Frankreich, Hongkong, Indien und Nordamerika führte, erhofft sich aber auch handfeste Vorteile. Der Vertrieb soll effizienter werden, zukünftige Übernahmen sollen sich besser integrieren lassen. Und er will die Zahl der Gesellschaften verringern und so pro Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.

Die Gea-Gruppe mit ihren mehr als 250 Unternehmen in 50 Ländern spürt schließlich wie alle Maschinenbauer die Wirtschaftskrise. Die Kunden halten sich mit Investitionen zurück. Im ersten Halbjahr sank der Auftragseingang um 20 Prozent und der Umsatz um elf Prozent. Das Konzernergebnis brach um fast die Hälfte ein. Deshalb hat der studierte Maschinenbauingenieur der Gea einen strikten Sparkurs verordnet. Ursprünglich sollten 800 von 21 000 festangestellten Mitarbeitern gehen. Im Juli hat Oleas diese Zahl nach oben auf 1 300 korrigiert.

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