Jürgen Cappell
Extremer Biss

Jürgen Cappell tauschte die Sicherheit im Konzern gegen eine Herausforderung – und stieg in nur vier Jahren beim Mittelständler Pfleiderer vom Leiter des Rechnungswesens zum Finanzchef Westeuropa auf. Dafür gewinnt er die „Karriere des Jahres im Mittelstand“.

DÜSSELDORF. Zu Weihnachten gab’s fürs gesamte Team ein deftiges Ritteressen auf Schloss Neufahrn. „Davon zehren die Leute das ganze Jahr“, schwärmt Jürgen Cappell. „Er weiß noch, wie es unten war“, kommentiert sein ehemaliger Chef und Kollege Bernd Schliewe die zünftige Weihnachtsfeier. „Cappell erinnert sich genau daran, was ihn selbst begeistert hat und was er an seinen Chefs nicht gut fand.“

Für seine herausragende Karriere zeichnet das Handelsblatt Jürgen Cappell mit der „Karriere des Jahres im Mittelstand 2007“ aus: Innerhalb von vier Jahren stieg der 39-Jährige beim Mittelständler Pfleiderer vom Leiter des Rechnungswesens zum Finanzchef Westeuropa auf. Nun verantwortet er die Finanzen jener 2500-Mann-Einheit, die dem Mittelständler mit 900 Millionen Euro den halben Umsatz beschert.

Cappell passt in den Mittelstand wie ein Fisch ins Wasser: Er krempelt, wenn es sein muss, selbst die Ärmel hoch. Fackelt nicht lange, sondern entscheidet gern und schnell. Und er setzt sich durch. Dass er dabei immer offen, klar und berechenbar handelt, sehen Freunde als Stärke. Ganz anders als Menschen, die in einem globalen Unternehmen oder in der Beratung Karriere machen, hat Cappell nie seinen Lebensmittelpunkt aus Nürnberg verlegt. Ein paar Monate in Regensburg, eine kurze Zeit in Freiburg. Das war’s. Jeden Tag fährt er die 50 Kilometer aus Nürnberg, wo er mit seiner Frau und den beiden kleinen Söhnen lebt, ins oberpfälzische Neumarkt. Zwar muss er mehr reisen, seit er Finanzchef Westeuropa ist. Doch er bleibt einer aus der Region.

Dabei hatte Cappells Karriere unter ganz anderen Vorzeichen begonnen: Die Stammhauslehre zum Industriekaufmann macht er bei Siemens, wo er auch während seines BWL-Studiums als Werkstudent arbeitet und gleich nach dem Examen in der Planung und Auswertung einsteigt. „Er hatte einen extremen Biss, Aufgaben zu lösen, und war immer bis zum Schluss begeistert“, erinnert sich Bernd Schliewe, sein erster Siemens-Chef, inzwischen selbstständiger Unternehmensberater. Schliewe beschreibt den Diplom-Betriebswirt Cappell als „sehr selbstbewusst, mit starkem Kopf und gutem Bauch“. Alle Siemensianer sagen ihm eine herausragende Laufbahn voraus. Noch zwei, drei Jahre, dann steht der nächste Karriereschritt an. So war es schon immer im Konzern. Noch ahnt keiner, dass Cappells Weg raus aus dem Sicherheitsnetz führen wird.

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