Jürgen Gallmann
Gelassen in unruhigen Zeiten

Jürgen Gallmann hat die Brocken als Deutschland-Chef von Microsoft hingeschmissen. Jetzt will er das Telekom-Unternehmen Avaya hier zu Lande wieder auf Vordermann bringen.

FRANKFURT. Eine gewisse Unruhe gehört bei jedem neuen Managerjob ja immer dazu. Aber als Jürgen Gallmann vor eineinhalb Jahren die Leitung der deutschen Landesgesellschaft des Telekom-Unternehmens Avaya übernahm, ahnte er wohl nicht, dass so viel passieren würde. Erst stiegen die Finanzinvestoren Silver Lake und TPG ein. Und jetzt hat auch noch Gallmanns Vorgesetzter Louis D'Ambrosio, Chief Executive Officer (CEO) des Gesamtkonzerns, seinen Rücktritt erklärt.

Doch der Ex-Chef von Microsoft Deutschland bleibt gelassen. Mit Charlie Giancarlo sei ein Interims-Chef an Bord, der die Branche aus seiner Cisco-Zeit sehr gut kenne.

Gallmanns Job ist alles andere als einfach. Der 46-Jährige muss Avaya Deutschland auf Vordermann bringen. Das Unternehmen besteht im Wesentlichen aus der ehemaligen Telenorma oder Bosch Telekom, einem Hersteller analoger Telefonanlagen. Die sind ein Auslaufmodell. Digitale Telefonie oder IP-Telefonie über das Breitbandnetz heißt die Zukunft.

Gallmann hat deshalb seit März vergangenen Jahres ein neues Geschäftsmodell und eine neue Organisation aufgebaut. Er hat durchgesetzt, dass Avaya aus dem Arbeitgeberverband austritt und den Standort Dortmund geschlossen.

„Seit dem 1. April steht die neue Organisation. Das Feedback der Kunden ist gut“, sagt Gallmann. Avaya will sich stärker auf Dienstleistungen und Software konzentrieren. Statt einfacher Telefonanlagen will er Kommunikationslösungen anbieten, die eng mit dem Kerngeschäft der Kunden verknüpft sind. Zum Beispiel in der Finanzbranche: Dort gewinnt die Beratung an Bedeutung, ob nun am Telefon oder per Internet. Die Werkzeuge von Avaya erlauben es dem Bankberater, alle wichtigen Informationen über den Kunden sofort verfügbar zu haben, sogar wenn er seinen Schreibtisch verlässt.

Als Gallmann zu Avaya ging, war die Verwunderung bei Beobachtern groß. Seinen Job als Deutschland-Chef des Software-Riesen Microsoft hatte er hingeschmissen, weil ihm zu wenig Freiraum blieb. Auch sein neuer Arbeitgeber ist ein US-Konzern, der zudem renditeheischenden Finanzinvestoren gehört.

„TPG und Silver Lake helfen uns beim Umbau sehr. Das ist für mich eine sehr wichtige neue Erfahrung“, sagt er. Avaya Deutschland komme eine besondere Rolle zu: „Wir sind mit der neuen Organisation der Pilot in unserem Unternehmen.“ Gallmann will künftig stärker um Großkunden buhlen. Denn bislang macht die Klientel erst etwa 25 Prozent vom Umsatz der Deutschlandtochter von knapp 730 Millionen Euro aus.

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