Jürgen Großmann
Neuer RWE-Chef stürmt auf die politische Bühne

Der Veranstaltungsort – das Convention Center in Hannover – ist nicht der Nabel der Energiewelt. Die Zahl der Teilnehmer ist mit rund 150 überschaubar. Und der Name der Veranstaltung klingt ziemlich provinziell: „Niedersächsische Energietage“. Aber für den neuen RWE-Chef Jürgen Großmann bilden sie die große Bühne.

DÜSSELDORF. Jürgen Großmann hält seine erste energiepolitische Grundsatzrede – und geht direkt in die Offensive: Er, der Neuling in der Branche, schlägt einen „Energiepakt für Deutschland“ vor – Versorger, Verbraucher und Politik sollen ihren Stellungskrieg beenden und wieder konstruktiv und gemeinsam nach einer „nachhaltigen, sicheren und möglichst preiswerten Energieversorgung“ suchen.

Großmann steht erst seit einem Monat an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Versorger, und schon jetzt ist klar: Der neue Mann schlägt tatsächlich neue Töne an – und legt ein rasches Tempo vor. In der Politik ist er bereits fleißig als Lobbyist unterwegs, vor Analysten skizziert er die Grundzüge seiner Strategie, mit Amtskollegen lotet er Kooperationsmöglichkeiten aus. Und die ersten Zukäufe hat er auch schon im Blick.

Dass Großmann sich so rasch in die energiepolitische Debatte einbringt, überrascht nicht. Gerade weil der hemdsärmelige Manager über gute Drähte verfügt und entschlossen seine Ansichten verkaufen kann, wurde er als Vorstandschef geholt. Er ist das Kontrastprogramm zum Niederländer Harry Roels, der zwar der Liebling der Anleger war, sich in Berlin und Brüssel aber rar machte.

Ein Fehler, denn derzeit ist für die Energiekonzerne das politische Parkett ebenso wichtig wie das der Börse: Berlin will das Kartellrecht verschärfen, Brüssel fordert die Abspaltung der Netze. Und in den vergangenen Wochen haben RWE und Eon mit Preiserhöhungen drastische Kritik von Politikern und Verbraucherschützern provoziert.

„Die Energiewirtschaft hat es scheinbar verstanden, sich mit allen Beteiligten zu überwerfen“, stellt Großmann in Hannover nüchtern fest. Diese Konfrontation müsse beendet werden, ein Neustart sei nötig, um aus der „Sackgasse“ zu kommen – auch die Versorger müssten umdenken und Zugeständnisse machen, er spricht von „einer Bringschuld“. Sein Vorschlag: Energiewirtschaft, Industrie, Politik und Verbraucher setzen sich zusammen – am besten noch in diesem Jahr und auf einer Nordsee-Insel, wegen des Bezugs zu den erneuerbaren Energien.

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