Jürgen Großmann: Stahlbaron rückt an RWE-Spitze

Jürgen Großmann
Stahlbaron rückt an RWE-Spitze

Der niedersächsische Stahlunternehmer Jürgen Großmann wird an die Spitze des Essener Energieriesen RWE rücken. Über die Zukunft von Vorstandschef Harry Roels wurde schon seit einigen Tagen spekuliert. Die Entscheidung für den Besitzer der Georgsmarienhütte kommt überraschend – aus zwei Gründen.

HB DÜSSELDORF. Der Vorstandsvorsitzende von RWE, Harry Roels, muss Anfang 2008 nach nur einer Amtszeit seinen Stuhl räumen. Das teilte das Unternehmen am heutigen Mittwoch mit. Sein Nachfolger wird bereits im November in den Vorstand einrücken.

Die Entscheidung kommt überraschend. Zuletzt war spekuliert worden, dass Roels zumindest eine verkürzter Vertrag angeboten wird. Zudem verfügt Großmann über keine Erfahrungen im Energiegeschäft. Der 1952 in Mülheim an der Ruhr geborene Manager hatte 1993 für zwei Mark die ehemalige Klöckner Edelstahl GmbH in Georgsmarienhütte bei Osnabrück erworben und das marode Werk in ein florierendes Stahlunternehmen verwandelt. Ende 2006 wechselte er in den Aufsichtsrat des Unternehmens.

Roels hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren zwar RWE in Form gebracht. Er verkaufte die Sparten Entsorgung und Wasser und konzentrierte das Unternehmen auf die Sparten Strom und Gas. Er baute dabei einen großen Schuldenberg ab und steigerte den Wert der RWE-Aktie um das Vierfache. Mit dem kapitalmarktorientierten Kurs machte sich Roels aber nicht nur Freunde. Die einflussreichen kommunalen Aktionäre, die 30 Prozent der Anteile halten, und die Arbeitnehmervertreter warfen ihm vor, keine Zukunftsvision zu haben.

Noch im Herbst galt eine Vertragsverlängerung aber als ausgemacht. Als Kompromiss, der für alle Gruppen akzeptabel sein sollte, war eine verkürzte Amtszeit im Gespräch. Nach Informationen des Handelsblattes hat zuletzt aber vor allem die Arbeitnehmerseite, speziell Vertreter der Gewerkschaft Verdi, dies grundsätzlich in Frage gestellt und Kritik an Roels Strategie geübt. Für Unruhe sorgten angebliche Umbaupläne bei der Vertriebstochter sowie anhaltende Spekulationen, RWE könnte zum Ziel einer feindlichen Übernahme werden.

Schon im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung war verlautet, eine langfristige Lösung für die Führungsposition werde angestrebt. Eine erneute fünfjährige Amtsperiode für Roels galt als ausgeschlossen, da der RWE-Chef im nächsten Jahr die Altersgrenze von 60 Jahren erreicht, mit der RWE-Manager üblicherweise aus dem Amt scheiden. Als Kandidaten für eine Nachfolge waren in der Presse unter anderem der Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE, Werner Brinker, und der CDU-Politiker Friedrich Merz genannt worden.

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