Jürgen Mlynek
Malik für Wissenschaftsmanager

Die größte deutsche Wissenschaftsorganisation engagiert den Schweizer Management-Guru Fredmund Malik für den Aufbau ihrer neuen "Helmholtz-Akademie". Ziel: Die deutschen Forscher sollen lernen, besser zu managen. Das Handelsblatt sprach mit Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gesellschaft.

Handelsblatt: Die Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschlands größte Wissenschaftsorganisation, engagiert den Schweizer Management-Guru Fredmund Malik, um deutsche Wissenschaftler für Führungsaufgaben fit zu machen. Was soll Malik Ihren Forschern beibringen?

Mlynek: Stellen Sie sich einmal die Situation eines Nachwuchswissenschaftlers vor, der bis gestern noch Postdoc war und bislang nur seine eigene Arbeit koordinieren musste. Von einem Tag auf den anderen muss er – oder sie - eine Gruppe leiten und ein Budget verwalten. Dieser Mensch muss in kürzester Zeit und bisher ohne jede Unterstützung seine Mitarbeiter zu einem effizienten Team zusammenschweißen, Drittmittel einwerben und ein Netzwerk aufbauen. Hier soll die Helmholtz-Akademie grundlegende Management-Kompetenzen vermitteln und auch ein Forum für Fragen und Austausch sein. Auf der anderen Seite wollen wir mit der Helmholtz-Akademie auch die Leiter der Forschungszentren ansprechen, die oft für mehrere tausend Mitarbeiter und Budgets von einigen hundert Millionen Euro verantwortlich sind. Diesen erfahrenen Wissenschaftsmanagern bietet Malik ein Podium zum Austausch untereinander und mit Fredmund Malik persönlich.

Die Situation, die Sie beschreiben, ist ja so neu nicht. Ist das Management von Forschungseinrichtungen heute komplizierter als vor 10, 20 Jahren?

Durchaus. Unser Auftrag ist es, die großen und drängenden Fragen mit wissenschaftlicher Expertise anzupacken, vor denen unsere Gesellschaft steht, also sehr komplexe Probleme zu lösen. Deshalb sind auch die Forschungseinheiten größer geworden. Gleichzeitig stehen die Gruppen unter höherem Wettbewerbsdruck um Aufmerksamkeit und Ressourcen. Und zwar sowohl national als auch auf europäischer und internationaler Ebene. Auch die Kooperationen sind komplexer geworden. All dies erfordert Management-Fähigkeiten auf der Höhe der Zeit.

Würden Sie den Satz unterschreiben: US-amerikanische Forscher sind nicht besser als deutsche, aber US-amerikanische Forschungseinrichtungen sind besser gemanagt?

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind hervorragend ausgebildet und leistungsfähig, das sieht man auch daran, dass sie im Ausland attraktive Stellen finden. Es stimmt aber, dass amerikanische Forschungseinrichtungen deutlich unternehmerischer handeln können als deutsche Forschungseinrichtungen, die unter engen Rahmenbedingungen leiden. Dennoch finde ich, dass wir in der Helmholtz-Gemeinschaft im Management von großen Forschungsprojekten sehr kompetent sind.

Worin genau besteht die Dienstleistung von Ihrem Vertragspartner, dem Malik Management Zentrum St. Gallen?

Malik Management hat in Zusammenarbeit mit uns ein maßgeschneidertes Angebot entwickelt, das Nachwuchsführungskräften grundlegende Management-Kompetenzen vermittelt. Die Ausbildung an der Helmholtz-Akademie dauert zwei Jahre, dabei sind acht Präsenzworkshops und ein Online-Lehrprogramm mit individueller Betreuung geplant. Jedem Teilnehmer wird darüber hinaus eine erfahrene Führungspersönlichkeit aus Wissenschaft oder Wirtschaft als Mentor zur Seite gestellt.

Malik schult normalerweise Manager aus Unternehmen, hat aber keine ausgewiesene Expertise im Forschungs- und Wissenschaftsbereich.

Es gibt nur zwei Arten von Management, gutes oder schlechtes. Das ist übrigens ein Zitat von Fredmund Malik. Aber ich bin davon überzeugt, dass das im Großen und Ganzen stimmt. Die Besonderheiten der Wissenschaft können unsere Nachwuchsführungskräfte in der Regel sehr gut beurteilen und Malik hat sein Konzept hier - in Zusammenarbeit mit uns - eigens darauf angepasst.

Wie sind Sie überhaupt auf Malik gekommen?

Wir haben nach einer europaweiten Ausschreibung mit mehreren Anbietern intensiv verhandelt und uns dann auf dieser Grundlage für Malik entschieden.

Hätte es Alternativen gegeben?

Durchaus, aber das Konzept von Malik hat uns schließlich überzeugt.

Managerausbildung auf diesem Niveau ist teuer; da kommt schnell ein Millionenbetrag zusammen. Können Sie etwas zum finanziellen Volumen der Zusammenarbeit sagen?

Ein maßgeschneidertes Fortbildungsangebot ist nicht zum Nulltarif zu haben. Wir erwarten aber, dass wir dadurch noch effizienter arbeiten können. Managementfehler sind bekanntlich sehr teuer. Und wenn wir solche Fehler vermeiden, sparen wir Geld, das wir wieder für die Forschung verwenden können.

Werden die Angebote der „Helmholtz-Akademie“ allen Forschern und Wissenschaftlern in Deutschland offen stehen oder nur den Mitarbeitern Ihrer 15 Forschungszentren?

Zunächst werden im Herbst 30 Nachwuchsführungskräfte das Angebot nutzen können. Wir planen aber eine deutliche Erweiterung und wollen nach der Pilotphase, die drei Jahre lang dauern wird, die Helmholtz-Akademie auch für Nachwuchsführungskräfte aus anderen Wissenschaftseinrichtungen, Ministerien und der Wirtschaft öffnen.

Wann ist die „Helmholtz-Akademie“ ein Erfolg?

Wenn diese Fortbildung die Nachwuchsführungskräfte bei ihrer Karriere, ob in der Wissenschaft, in der Verwaltung oder in der Wirtschaft, effektiv unterstützt und ihnen das Handwerkszeug für klassische Führungsaufgaben zur Verfügung stellt, dann betrachten wir die Akademie als Erfolg. Für mich ist sie ein wichtiger Teil unseres Talentmanagements.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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