Jugendwahn großer Unternehmen macht Rosendahl wütend
Alt und erfahren sticht jung und oberflächlich

Der Chef der Rosendahl Energietechnik setzt auf ältere Mitarbeiter - mit Erfolg.

KREFELD. Herr Z. ist ein Problemkunde. Er ist ungeduldig, pedantisch und cholerisch. Firmenchef Reiner Rosendahl fiel deshalb aus allen Wolken, als ihm sein Vertriebsmitarbeiter Manfred Püplichhuisen eröffnete: „Die Verträge stehen. Und übrigens bin ich in vier Wochen zur Hochzeit von Herrn Z. eingeladen.“ Mit Einfühlungsvermögen und Beharrlichkeit hat Püplichhuisen binnen eines Dreivierteljahres eine Vertrauensbasis zu Herrn Z. aufgebaut, der vom Alter her sein Sohn sein könnte. Denn Püplichhuisen ist 60. Nach gängiger Personaler-Meinung gehört er damit ausgemustert.

Anders bei der Rosendahl Energietechnik GmbH, die Zubehör für Solaranlagen an gewerbliche Abnehmer verkauft. Erst 1995 gegründet, liegt der Umsatz inzwischen bei rund 100 Millionen Euro. Unternehmer Reiner Rosendahl, selbst 48, ist überzeugt: Ohne seine älteren Mitarbeiter hätte er das nicht geschafft. Er schätzt ihre fachliche und menschliche Erfahrung. Neun seiner 20 Mitarbeiter waren älter als 40 Jahre, als sie eingestellt wurden.

Geplant war das freilich nicht. „Ich habe eigentlich nach jungen Ingenieuren gesucht“, sagt Rosendahl. „Aber die zieht es in die Entwicklung und nicht in den Vertrieb.“ Die Resonanz auf seine überregionalen Stellenanzeigen fiel mager aus. „Die Wenigen, die vorbeikamen, hatten ein unmögliches Auftreten.“ Zufällig sprach Rosendahl mit dem Berater seiner Hausbank über seine Personalnot. Er empfahl einen Betriebswirt aus der Recycling-Branche, Alter 52 Jahre. „Der vorherige Arbeitgeber wollte Stellen streichen und er stand ganz oben auf der Abschussliste“, sagt Rosendahl. Er traf sich mit dem Mann und war hellauf begeistert: „Der ideale Vertriebler.“ Rosendahl stellte ihn ein.

Genauso wie den 48-jährigen Langzeitarbeitslosen, der schon zwei Jahre erfolglos einen Job suchte und den Rosendahl über einen gemeinsamen Bekannten kennen lernte. Zuerst half er nur bei der Suche nach neuen Geschäftsräumen. „Er stellte mir drei Projekte schlüsselfertig vor – mit Finanzierung und allem. Das hat mir imponiert.“ Rosendahl gab ihm eine feste Stelle im Vertrieb, trotz fehlender Vorkenntnisse. „Er hat mich zwar manchmal schon genervt mit seinen vielen Fragen“, sagt der Firmenchef. „Aber ich habe bis heute nicht bereut, ihn eingestellt zu haben.“

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