Julian Assange
„Der gefährlichste Mann der Welt“

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat bei den Irak-Dokumenten aus Fehlern gelernt. Das zeigte sein jüngster öffentlicher Auftritt in einem Londoner Hotel ganz deutlich. Aber seine Person und seine Geldquellen bleiben weiter undurchsichtig.
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NEW YORK/LONDON. Schon die Wahl des Ortes für seinen großen Auftritt ist eine starke Aussage. In einem Londoner Hotel in Sichtweite des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 hat Julian Assange am Samstag seinen zweiten und bislang größten Coup vorgestellt: interne Feldprotokolle der amerikanischen Armee aus dem Irak-Krieg. Seine Kampfansage ist unmissverständlich. „Diese Dokumente zeigen nur die Wahrheit, und die Wahrheit ist bedroht“, sagte der Gründer der Internet-Plattform Wikileaks. „Wir hoffen, dass wir einige Angriffe auf die Wahrheit mit dieser Veröffentlichung korrigieren und abwehren können.“

Abwehren wollte er damit wohl auch die Angriffe auf seine Person. Assange, Gründer der Organisation, die seit 2006 geheime Regierungsakten veröffentlicht, war zuletzt vor allem durch Negativschlagzeilen aufgefallen. Mitstreiter haben seine wohl zuweilen aufbrausende, befehlshaberische Art kritisiert, aus Schweden gab es Vergewaltigungsvorwürfe. Diese Themen sind am Samstag Tabu. Als eine Journalistin des US-Senders CNN im Interview dennoch insistiert und ihn dazu befragt, steht er auf und geht.

Assanges Umgang hat Medienberichten zufolge bereits mehrere Mitarbeiter vergrault. Einer davon ist der Deutsche Daniel Domscheit-Berg. Er wirft Assange vor, absolute Transparenz zu fordern, diesem Anspruch aber selbst nicht gerecht zu werden.

Genauso geheimnisumwoben wie die Person Julian Assange ist auch die Finanzierung der Internet-Plattform. Wikileaks stützt sich vor allem auf Spenden. Um die Unterstützer zu schützen, verschleiert die Organisation, woher ihre Mittel genau herkommen und wofür sie verwendet werden.

Die Fäden für die Zahlungsströme laufen in Deutschland zusammen. Im Internet ruft Wikileaks dazu auf, Gelder unter anderem an die deutsche Wau Holland Stiftung zu spenden. Sie wurde in Gedenken an den gleichnamigen Computerhacker gegründet, der 2001 starb.

Nach deutschem Recht dürfen Stiftungen die Namen ihrer Geldgeber geheim halten. Das Geld von der Stiftung zu nutzen, sei jedoch kompliziert, erklärte Assange im August in einem Gespräch mit dem „Wall Street Journal“. Wikileaks müsse Quittungen bei der deutschen Stiftung einreichen, um an die Spendengelder zu kommen. Da deutsche Stiftungen ihre Ausgaben jedoch offenlegen müssten, habe er sich einen Weg ausgedacht, um einen Teil seiner Geschäftspartner nicht offenbaren zu müssen: Über andere Stiftungen werden einzelne Rechnungen gebündelt und diese dann als Gesamtbetrag bei der Wau Holland Stiftung eingereicht. So kann die Organisation zum Beispiel verschleiern, wer ihre Web-Server betreibt und wo sich diese befinden. So will Wikileaks die eigene Technik vor Angriffen schützen.

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  • Jetzt bleibt nur zu hoffen, das Assange auch die Geheimdokumente der anderen beteiligten, wie dem iran, China, den früheren Mitgliedern der UdSSR, Deutschland und einigen arabischen Staaten veröffentlicht. Nur dann können sich normale bürger ein bild machen. Weiter würde das dazu führen, das sich kein Staat mehr sicher sein kann, das sein Verhalten nicht öffentlich wird. Das wäre endlich die Kontrolle des Staates durch die bürger, so wie es sein sollte. Keine Wahlen mehr, die durch Propaganda beeinflusst sind, sondern (vielleicht) wirklich bestimmende Wahlen auf Grund der informationen wären. Grundsätzlich müssten auch Namen genannte werden: Die Vorstellung, dass Täter auch noch geschützt werden, hat etwas perfides. Jeder sollte für seine Taten auch einstehen. Letztlich muss das auch jeder Politiker. Der hat nur den Vorteil, auf Kosten der Allgemeinheit auch noch Personenschutz zu bekommen. So werden diese Damen und Herren doch vom Volk getrennt. Wer Politik macht, muss auch bereit sein, persönliche Opfer zu bringen. Das mussten die Geschwister Scholl auch. Graf Stauffenberg gehört auch zu der Kategorie der Menschen, die in Haltung für ihre Taten Verantwortung vor einem Unrechtsregime übernommen haben. Vielleicht würde das auch dazu führen, das beamte wieder preussische Tugenden bekämen ... im Grunde sind viel weniger Sachen geheim zu halten, als geheim gehalten werden. Das ist Lehre, die Regierungen daraus ziehen sollten. Wie heisst es in dem alten Kinderlied: Üb immer Treu und Redlichkeit, bis an Dein selig End ...

  • Klar, gefährlich sind immer die, die zu sehr die Hand in die Wunde legen.
    ich finde es aber trotzdem eine Frechheit, ihn als gefährlichsten Mann der Welt zu betiteln, wo er die Verbrechen, die Methoden und Tausende von Opfern an der Zivilbevölkerung durch das US Militär offenlegt.
    Klar gefällt das der US Regierung nicht. Denn es ist nicht gerade hilfreich für das vermarktete image des "Friedensstifters" USA in der Welt und bei der eigenen bevölkerung.
    Die USA verliert immer mehr an Glaubwürdigkeit auf der internationalen bühne, sowohl militrisch als auch wirtschaftlich.
    Und dann besitzt die US regierung noch die Chuzpe, in den Medien zu behaupten, dass die Veröffentlichungen durch Wikileaks das Leben der US Soldaten gefährden würden.
    Erstens werden die meisten Kampfeinsätze sowieso durch Privatarmeen und dementsprechend Söldner abgewickelt und ausserdem ist die bilanz des Krieges ja wohl erschreckend.
    Auf der amerikanischen Seite gibt es praktisch keine zivilen Opfer, sondern nur gefallene Soldaten. Auf der irakischen Seite ist es genau umgekehrt.
    Wie stehen die paar Tausend gefallene Söldner und Soldaten der USA im Verhältnis zu den vielen zehntausend Opfern auf der irakischen Seite inklusive Kindern, Müttern und sonstiger Zivilbevölkerung?
    Was hat der Krieg bewirkt? Nur viel mehr Chaos, Leid und Wut gegenüer israel und den USA. ist damit der Nahe Osten sicherer und stabiler geworden? Wohl kaum.

  • Für wen ist der Mann schon "gefährlich"? Wer seine 600.000 "Dokumente" zu lesen versuchte, würde 12 Jahre brauchen. Von interesse sind sie höchstens für iran, um damit die noch schwache irakische Demokratie zu unterminieren. Und die Taliban werden ein paar arme Afghaner ermorden, die hier als US-Spione geoutet wurden. Das ist alles.

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