Julius-Bär-Chef Walter Knabenhans muss mit einem Ehrenpräsidenten leben, der am Bankgeheimnis kratzt
Der weiße Rabe von Zürich

Hans Julius Bär, lange Chef der gleichnamigen Zürcher Privatbank, meint, in der Schweiz seien „Bankiers von internationalem Format (...) nicht erkennbar". Außerdem sei das Bankgeheimnis „ein defensives Instrument, das die Schweiz vom allgemeinen Wettbewerb verschont, und das uns, um ein Churchill-Wort aufzunehmen, fett, aber impotent macht.“

ZÜRICH. Das sitzt: „Bankiers von internationalem Format (...) sind nicht erkennbar. Diese personellen Schwächen stellen auf längere Sicht betrachtet wohl die größeren Herausforderungen an die Schweiz“, poltert im Frühjahr einer, der es wissen sollte: Hans Julius Bär, lange Chef der gleichnamigen Zürcher Privatbank und bis dahin die graue Eminenz der ansonsten so zurückhaltenden Branche.

Eine Seite weiter schreibt Bär in seiner Biografie jene Worte, die seither ungezählte Male wiederholt wurden: Das Bankgeheimnis „ist ein defensives Instrument, das die Schweiz vom allgemeinen Wettbewerb verschont, und das uns, um ein Churchill-Wort aufzunehmen, fett, aber impotent macht.“ Fett, aber impotent – diese Worte sind den Eidgenossen im Ohr geblieben, auch wenn sie vom britischen Kriegspremier entlehnt waren.

Heute schreiben wir den Monat fünf nach Bärs Enthüllung.

Walter Knabenhans ist keiner von jenen smarten Schweizer Privatbankiers, die stets leicht gebräunt und gern im taillierten Nadelstreifenanzug geschliffen ihre Erfolge aufzählen. Er ist auch kein Vertreter jener Großbanken, die wissen und es einen auch spüren lassen, dass ohne sie in diesem Lande wenig läuft.

Fragt man etwa Credit-Suisse- Chef Oswald Grübel nach den Erwartungen für das Geschäftsjahr, so stanzt er leicht Sätze wie: „Wenn das Umfeld stimmt, halten wir an unserer Prognose fest.“ Knabenhans dagegen nimmt sich selbst auf die Schippe, wenn er sagt: „Ich will ein bisschen differenzieren und in der Semantik subtil bleiben.“

Dazu knöpft er den dunkelblauen Anzug zu und setzt sein gewinnendes Lächeln auf, das bei seinem schmalen, ein wenig blassen Gesicht beinahe von einem Ohr zum anderen reicht. Seine dunklen Augen leuchten dann sehr ehrlich hinter der runden Brille.

Knabenhans ist Chef der Julius- Bär-Gruppe. Der ein Vierteljahrhundert ältere Hans Julius Bär ist sein Ehrenpräsident. Man begegnet sich regelmäßig bei familiären Anlässen und gönnt sich einen Cocktail miteinander.

Mit dem Gleichmut der Gerechten erträgt es Knabenhans, dass seine Kollegen seit fünf Monaten mal mitleidig und mal ärgerlich zu ihm herüberblicken. Pierre Mirabaud zum Beispiel, der stets ein bisschen exaltierte Genfer Privatbankier und selten um Kommentare verlegene Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung schoss scharf: „Herr Bär darf seine Meinung haben. Und ich bin mit ihm nicht einverstanden.“

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