Junge im Hotelpool ertrunken
Reiseveranstalter müssen Hotels kontrollieren

Reiseveranstalter müssen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) die Sicherheitsstandards ihrer Vertragshotels und deren Einrichtungen genau überprüfen. Ansonsten hafteten die Unternehmen, wenn die Anlagen nicht den Anforderungen entsprächen und deswegen jemand zu Schaden komme.

HB KARLSRUHE. Das Gericht gab in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil den Eltern eines in Griechenland ertrunkenen Jungen recht. Sie hatten den Handels- und Reisekonzern Rewe wegen Versäumnisse bei den Kontrollen auf Schmerzensgeld verklagt. Ihr elfjähriger Sohn war 2001 bei einer Pauschalreise im griechischen Chalkidiki in einem Pool ertrunken, die bei dem zu Rewe gehörenden Veranstalter ITS gebucht worden war. (Az.: X ZR 142/05) Der elfjährige Junge war beim Rutschen von einer Wasserrutsche mit dem Arm in ein Absaugrohr des Pools geraten und konnte sich nicht mehr befreien. Die zur Saison 2001 eröffnete Rutsche stand mitten in der Hotelanlage. Für ihre Benutzung musste extra bezahlt werden. Sie war jedoch ohne Baugenehmigung errichtet worden und die Absaugrohre waren nicht durch Gitter gesichert. Der Hotelier ist in Griechenland strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden, da die Rutschanlage auch nach dortigem Recht nicht den Anforderungen entsprach.

Die Eltern machten posttraumatische Belastungsstörungen geltend, die ihre Familie durch den Tod eines ihrer Mitglieder erlitten habe. Landgericht und das Oberlandesgericht (OLG) Köln gaben ihnen recht und sprachen den Eltern und ihren zwei verbliebenen Söhnen je 20 000 Euro Schmerzensgeld wegen Versäumnisse des Veranstalters zu. Der Veranstalter hätte sich auf jeden Fall danach erkundigen müssen, ob die neue Anlage genehmigt und von der zuständigen Behörde abgenommen worden sei, befand nun auch der BGH. Denn der Reiseveranstalter müsse alle Hoteleinrichtungen überprüfen, die aus Sicht der Reisenden zum Leistungsspektrum des Hotels gehörten. Und das sei bei der Rutsche der Fall gewesen, auch wenn sie noch nicht im Katalog aufgenommen worden sei und ihre Benutzung habe extra bezahlt werden müssen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) erklärte, der BGH habe die geltende Rechtslage bestätigt, wonach ein Reiseveranstalter auch die Sicherheit auf dem Hotelgelände gewährleisten müsse. Für die Reiseanbieter ändere sich nichts.

Weiter entschied der Reisesenat des BGH am Dienstag, dass die im Prospekt angekündigte "kindgerechte Ausstattung" eines Hotels oder Appartements für Kinder keine Gefahren bergen dürfe. Die Richter gaben den Eltern eines damals achtjährigen Mädchens recht, dass 1999 im Urlaub auf der spanischen Ferieninsel Menorca in eine Glastür gefallen war und sich schwer verletzt hatte. Der Veranstalter, auch hier die zum Rewe-Konzern gehörende ITS, hatte die Anlage im Prospekt mit den Worten "kindgerechte Ausstattung" beworben. Die Tür des Ferienappartements war jedoch nicht gesondert gekennzeichnet und hatte kein Sicherheitsglas, so dass sie bei dem Aufprall des Kindes zerbrach.

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