Jurij Milner
Ein Russe zieht ins Silicon Valley

Der mehrfache Millionär und Unternehmer Jurij Milner ist im Westen nahezu unbekannt. Nun beteiligt er sich an Facebook und will seinen Anteil in einigen Monaten erhöhen.

MOSKAU/DÜSSELDORF. Leise Stimme, behutsam die Gesten: Unscheinbar wirkt Jurij Milner neben Facebook-Gründer Mark Zuckerberg – und das will etwas heißen, ist er doch schon keine Charisma-Explosion. „Ein tolles Geschäft“ sei Facebook, lobt der 47-jährige Russe.

Das muss er sagen. Denn als er das Videointerview für den Branchendienst Techcrunch gibt, hat er gerade verkündet, für 200 Millionen Dollar 1,96 Prozent am weltgrößten Social Network zu übernehmen. In einigen Monaten will er den Anteil erhöhen.

Das Silicon Valley sollte sich vielleicht an Milner und seine Firma Digital Sky Technologies (DST) gewöhnen. Zu deren Portfolio gehören mit Odnoklassniki und Vkontakte die größten russischen Social Networks sowie mit das Portal Mail.ru, die beliebteste Webseite des Landes überhaupt. Je nach Rechnung landen 70 Prozent aller Klicks auf russischen Seiten im DST-Imperium. Umsatz? Unbekannt.

Wenig zu erfahren ist auch über Milner selbst. Im Netzwerk Mainpeople finden sich ein paar Fotos des glatzköpfigen Millionärs. Er selbst hat sich dort im Februar zuletzt eingeloggt. 20 Millionen Dollar soll sein Privatvermögen betragen. Damit schaffte er es gerade noch in die Liste der 400 reichsten Russen der Zeitschrift „Finans“.

Milner war der erste Sowjetbürger, der es ins MBA-Programm der Uni Wharton schaffte – das war 1990, ein Jahr vor dem Ende der UDSSR. In einem Interview erzählte der studierte Physiker, ein Managerposten in einer kleinen Firma, die Konferenzen organisierte, habe ihm Appetit gemacht: Er wollte den Kapitalismus in seiner Reinform, der amerikanischen, erlernen. Dank Beziehungen gelingt der Sprung in die USA. Nach dem MBA arbeitet er bei der Weltbank. Mitte der 90er geht er zur Bank Menatep, die dem Öl-Tycoon Michail Chodorkowskij gehört. Über den gescheiterten Versuch, die Mehrheit an der Traditionsschokoladenfabrik „Roter Oktober“ zu erwerben, schreibt er ein Buch. Bevor Chodorkowskij bei Präsident Putin in Ungnade fällt, hat sich Milner schon gen Internet abgesetzt.

An Bord bei DST ist mit einem Drittel der Anteile auch einer der großen Oligarchen im Lande: Alischer Usmanow. Der Multimilliardär aus der Metallindustrie mit guten Drähten zu Gazprom hat auch ein Standbein im Mediengeschäft und kontrolliert unter anderem die Zeitung „Kommersant“ sowie die Internetzeitung Gazeta.ru.

Ob es DST beim Facebook-Anteil belässt?

„Schließen wir dieses Geschäft ab, dann schauen wir weiter“, sagt Milner. Und lächelt schelmisch.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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