Juristen
Ein kleines bisschen Untergrundgefühl

Bei den meisten Kanzleien herrscht in Sachen Podcasts Nachholbedarf. Bislang sind es nur die Internetfreaks, die ein Gespür für das neue Informations- und Werbe-Medium entwickelt haben. Podcasts sind Audiodateien, die Interessierte über das Internet auf ihre Rechner laden können und auf tragbaren MP3-Spielern anhören können.

Die Juristin Laura Dierking berichtet aus dem Untergrund. Die gescheiterte Fusion des Springer-Verlags mit ProSieben Sat 1, der Sportwettenskandal oder die eingeschränkten Werbemöglichkeiten rund um die Fußball-WM – dies alles sind aktuelle Themen, zu denen die Doktorandin am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster Medienrechtler interviewt. Die Berichte sind aber nicht im Radio oder in der Zeitung zu finden – sondern im Internet. Ihre Sendung „J!Cast“ gehört zu den ersten Versuchen von Juristen in Deutschland, sich mit dem neuen Medium Podcast vertraut zu machen.

Das Wort Podcasting setzt sich aus dem englischen Begriff „broadcasting“ (senden) und dem Namen des populären MP3-Players iPod zusammen. Podcasts sind Audiodateien, die Interessierte über das Internet auf ihre Rechner laden können und auf tragbaren MP3-Spielern anhören können.

Die ersten deutschsprachigen Podcasts tauchten im Oktober 2004 im Internet auf. Die Macher sind so vielfältig wie die Gesellschaft. Bibeltreue Fanatiker senden um die Wette mit Countrymusik-Fans und Karrieretrainern. J!Cast gehört zu den ersten Audioangeboten, die professionelle Juristen ins Netz stellen. Alle zwei Wochen investiert Laura Dierking drei Stunden Arbeit in ihre Sendung. „Das macht mir Spaß, ist aber auch einen gute Werbung für mich und für unser Institut“, erzählt sie.

Dass sich das neue Medium fürs Marketing eignet, haben auch andere Juristen mittlerweile erkannt. Martin Bahr von der Kanzlei Bahr in Hamburg setzt ganz gezielt auf Podcast als Werbeträger. „Wir sind eine junge, innovative Kanzlei, die auf das Recht in den neuen Medien spezialisiert ist. Podcasting ist für uns ein Instrument zur Akquise von Neukunden und Mandanten.“

Im Gegensatz zum Gros der Jura-Podcaster, die als Einzelkämpfer meist nur eine Sendung auf einmal fertig stellen, ließ Bahr 26 Podcasts am Stück produzieren. Eine professionelle Radiosprecherin liest seine Manuskripte. „Schwierig ist es vor allem, eine Sprache zu finden, die juristisch präzise bleibt, aber auch für Nicht-Juristen verständlich ist“, erklärt Bahr. Er hat gelernt: „Man darf keine verschachtelten Sätze benutzen und keine Aktenzeichen und Daten nennen. Sonst schalten die Leute sofort ab.“

Bis zu 1 000 Internetsurfer laden sich diese Vorträge jeweils herunter. Die zweite Staffel soll Ende April nach und nach ins Netz gestellt werden. Die Internetöffentlichkeit – meist junge, gebildete und aufstrebende Menschen – schätzt das Medium. Deshalb nutzen Firmen wie IBM oder BMW die Audioprogramme bereits zu Werbezwecken. Für Jörg Reimann, Leiter BMW Marketing Innovationen, sind die Podcasts ein neuer Weg um „Zielgruppen anzusprechen, die immer schwerer über klassische Werbung erreichbar sind.“

Bei den meisten Kanzleien aber herrscht in Sachen Podcasts Nachholbedarf. Bislang sind es nur die Internetfreaks, die ein Gespür für das neue Informations- und Werbe-Medium entwickelt haben. Martin Bahr ist beispielsweise nicht nur Anwalt, sondern auch Programmierer. Und Arne Trautmann, Anwalt bei der Münchner Kanzlei Schlawien Naab Partnerschaft, ist seit Jahren ohnehin als Blogger aktiv, also als Autor eines interaktiven Internettagebuchs. In seinem „Law Blog“ geht es ebenfalls um Medienrecht. „Podcasting hat den Vorteil, dass man auf Kongresse eingeladen wird. Gut für die Kontaktpflege“, meint Trautmann. Bahr schätzt, dass es bis zu einem Jahr dauert, bis der Erfolg des Podcastings für die Kanzlei messbar wird. „Für diese Art von PR ist ein langer Atem nötig.“

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