Juristische Fallstricke: Unternehmer setzen auf Weblogs

Juristische Fallstricke
Unternehmer setzen auf Weblogs

Was in den USA schon lange Usus ist, hält langsam auch Einzug in die deutsche Unternehmenskultur: Statt sich allein auf die Öffentlichkeitswirkung eines herkömmlichen Internetauftritts zu verlassen, entdecken immer mehr Firmen ein neues Medium für sich. Weblogs. Doch der Umgang mit den Meinungsmachern im Netz will gelernt sein. Es lauern juristische Fallstricke.

DÜSSELDORF. Die barbusige Schöne auf der Grünen Woche hat es den Mitarbeitern des Tiefkühlherstellers Frosta angetan. Die textilbefreite Hostess auf dem Foto verteilt gerade eine Kostprobe Mecklenburger Landpute; doch ihr ansehnliches Dekolleté erfreut die Kollegen aus ganz anderen Gründen. Unübersehbar prangt zwischen blanker Brust und Schlüsselbein die Aufschrift: "Besser ohne!"

Schon steht die Frage im Raum, ob derartige Dienstkleidung nicht auch im eigenen Konzern eingeführt werden sollte. "Besser ohne" ließe sich jedenfalls hervorragend auf die eigene Firmenphilosophie übertragen: Der Verzicht auf Aroma- und Farbstoffe ist schließlich das Aushängeschild der Marke. Aber oben ohne zum Dienst? Das ist nur schwer vorstellbar. Alle Mitarbeiter sind deshalb aufgefordert, ihre Meinung abzugeben. Diskutiert wird allerdings nicht etwa in der Teeküche des Tiefkühlimperiums, sondern live im Internet. Per Firmen-Weblog.

Was in den USA schon lange Usus ist, hält langsam auch Einzug in die deutsche Unternehmenskultur: Statt sich allein auf die Öffentlichkeitswirkung eines herkömmlichen Internetauftritts zu verlassen, entdecken immer mehr Firmen ein neues Medium für sich. Weblogs. Ähnlich wie auf traditionellen Websites können die Autoren in den Blogs Texte, Bilder oder Videos ins Netz stellen. Zudem besteht die Möglichkeit, die verschiedenen Inhalte selbst zu kommentieren.

Der Vorteil: Die Autoren müssen weder HTML-Kenntnisse mitbringen, noch eine Ausbildung zum Webdesigner absolviert haben. "Ist ein Blog erst einmal eingerichtet, ist ein Eintrag dort nicht komplizierter, als eine E-Mail zu schreiben", sagt Kommunikationsberater Klaus Eck.

Jeder User kann damit auf ständig aktualisierte Informationen aus nahezu allen Unternehmenssparten zugreifen. Und das Interesse wächst konstant. Ansgar Zerfaß, Professor für Kommunikationsmanagement an der Uni Leipzig. "Blogger zeichnen sich dadurch aus, dass ihnen die Distanz und die Ausgewogenheit ab-geht, die sich traditionelle Medien auf die Fahnen schreiben. In Blogs stehen ungefilterte Meinungen. Und gerade das macht sie bei den Lesern so glaubwürdig."

Um diesem Anspruch zu genügen, kann auch schon mal der Chef persönlich in die Tastatur greifen. Als etwa DocMorris-Gründer Ralf Däinghaus sich in seinem Blog zu einer Verwaltungsgerichtsentscheidung äußerte, die die vorläufige Schließung einer deutschen Apotheke in Saarbrücken verfügte, gingen auf der Seite binnen kürzester Zeit gut 240 Kommentare ein. Viel Arbeit für ihn und sein Team, das jeden einzelnen Beitrag auf etwaige Rechtsverletzungen gegenüber Dritten kontrollierte. Doch die Zeit war mehr als gut investiert. "Unter bestimmten Umständen haften bloggende Unternehmen nicht nur für ihre eigenen Artikel, sondern auch für Kommentare, die Leser in ihrem Blog abgeben", warnt Henning Krieg, Rechtsanwalt der Kanzlei Bird & Bird in Frankfurt/M. "Es ist nie auszuschließen, dass der eine oder andere Kommentator mit Schmutz auf das Unternehmen oder aber auf andere wirft - und damit die Rechte Dritter verletzt", sagt Anwalt Krieg.

Seite 1:

Unternehmer setzen auf Weblogs

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%