Juristischer Kraftakt: Unternehmen suchen neue Standorte

Juristischer Kraftakt
Unternehmen suchen neue Standorte

Während der Gedanke an Kisten und Möbelpacker Privatpersonen den Angstschweiß auf die Stirn treibt, scheinen Unternehmer die Idee eines Standortwechsels immer attraktiver zu finden. Viele Betriebe wollen derzeit umziehen und schlanker werden. Doch die Neuausrichtung ist oft ein juristischer Kraftakt.

DÜSSELDORF. Von wegen dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt. Konzerne können von einem Ortswechsel massiv profitieren. "Die Folgen der Globalisierung schlagen sich zunehmend in den Strukturen der Unternehmen nieder", weiß Juan Rigall, geschäftsführender Partner der Unternehmerberatung Droege & Comp: "Schlanke Konzernzentralen als Herzstück der Betriebe werden immer wichtiger. Auch die Wahl des Standorts spielt eine bedeutende Rolle."

Viele Gemeinden wetteifern geradezu um die Gunst der Unternehmen und begünstigen deren Ansiedlung durch Subventionen oder Steuervorteile. Die Rheinlage allein war jedenfalls nicht der Grund, warum der Chemiekonzern Altana dem idyllischen Bad Homburg den Rücken kehrte, um ab 2008 die Unternehmenszentrale für die weltweit rund 4 500 Mitarbeiter nach Wesel zu verlegen. "Nach der Abspaltung von Altana Pharma war es unternehmerisch der sinnvollste Schritt, alle Ressourcen an einem Standort zu bündeln", so ein Unternehmenssprecher.

"Kaum eine Firma kann es sich noch leisten, einen aufgeblähten Verwaltungsapparat zu halten, in dem viele Aufgaben ineffizient oder sogar doppelt erledigt werden", meint auch Berater Rigall. "In vielen Fällen bietet ein Umzug die willkommene Gelegenheit, um endlich überfällige Modernisierungsprozesse in Gang zu setzen."

So auch im Fall Thyssen-Krupp. Bis zum Jahr 2010 will das Unternehmen eine Zentrale in Essen errichten. Die bisherige Konzernholding in der Düsseldorfer Innenstadt sowie die Zentralen von fünf der sechs Kon-zernsparten werden verkauft. Mittelfristig sollen im neuen Headquarter 150 bis 200 Arbeitsplätze eingespart werden. "Wer seinem Unternehmen eine solche Schlankheitskur verordnet, sollte jedoch eine lange Planungs- und Realisierungsphase einkalkulieren", rät Markus Scheffer, Jurist und Organisationsexperte bei Droege & Comp: "So sinnvoll die Neuausrichtung einer Zentrale auch sein kann - sie macht in vielen Fällen einen juristischen Kraftakt nötig."

Im Wesentlichen sind zwei Szenarien denkbar. Variante eins: Der Umzug dient allein der Standortoptimierung. Strukturelle Änderungen sind nicht geplant. Auch den Personalstamm will das Unternehmen halten. Doch so ohne weiteres kann ein Arbeitgeber seine Belegschaft nicht ans andere Ende Deutschlands verschicken.

In Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern muss der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich bzw. einen Sozialplan aushandeln. Ziel dieser Regelung ist es, negative Konsequenzen des Umzugs auf die Belegschaft zu vermeiden oder zumindest zu mindern. "Der Arbeitgeber muss nicht nur mit dem Betriebsrat verhandeln, sondern auch mit den betroffenen Arbeitnehmern. Er hat zwar ein Direktionsrecht, das es ihm grundsätzlich erlaubt, einen Mitarbeiter auch einmal an einem anderen als seinem angestammten Arbeitsplatz einzusetzen", sagt Markus Kappenhagen, Arbeitsrechtler in der Kanzlei Baker & McKenzie. "Wie weit dieses Recht reicht, hängt jedoch von der Formulierung des Einsatzbereichs im Arbeitsvertrag ab. Eine dauerhafte Versetzung von einem Ende der Republik zum anderen ist vom Direktionsrecht in aller Regel nicht umfasst."

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