K. Vaman Kamath
Der Tempo-Macher

„Wir werden zu den Jägern zählen, nicht zu den Gejagten“, sagt Indiens bekanntester Banker. Längst sind die Kassandrarufer verstummt, die K. Vaman Kamath Scheitern am eigenen Größenwahn prophezeiten: In nur zehn Jahren hat Kamath einen schwächelnden Projekt-Finanzierer in die erste Allfinanzgruppe der Nation verwandelt.

BOMBAY. Indiens bekanntester Banker residiert im obersten Stock eines blau verglasten Büroblocks. Selbst hier, mitten in Bombays neuem Finanzdistrikt Bandra-Kurla entkommt K. Vaman Kamath den Widersprüchen seines Landes nicht. Holz und Leder zieren sein lichtdurchflutetes Büro, und zur einen Seite blickt der CEO der ICICI Bank auf einen herausgeputzten Dachgarten mit sanft plätscherndem Springbrunnen. Die Fensterfront gegenüber gibt den Blick frei auf die Plastikplanen eines nahen Slums.

Kamaths Zuversicht kann das nicht erschüttern. „In den nächsten fünf Jahren steht Indien eine dramatische Expansion seines Finanzsystems bevor“, ist er sicher. Steigender Wohlstand werde Fonds und Versicherern enorme Zuflüsse bescheren; ein Private- Equity-Boom werde kommen; Unternehmen wie Konsumenten hungerten nach Krediten. Der Finanz-Mogul hat sein Institut für diese Wachstumschancen positioniert. In nur einem Jahrzehnt hat er einen altmodischen, schwächelnden Projekt-Finanzierer in die erste Allfinanzgruppe der Nation verwandelt. Von der einstigen Industrial Credit and Investment Corporation of India blieben nur die Initialen. Tempo liegt dem Formel-Eins-Fan besonders am Herz. „Kamaths oberste Priorität lautet, der Bank rasch globales Gewicht zu verschaffen“, meint Sarika Lohra, Analystin bei Angel Broking, „und das dürfte ihm gelingen.“

Seit Ende der 90er Jahre spielt ICICI die Hauptrolle bei Indiens wichtigstem Finanztrend: Sie bereitete einer Explosion von Konsumkrediten den Weg. Der Transformation zu Indiens führender Privatkundenbank lag eine Vision zugrunde, die anfangs vielen versponnen vorkam. Doch als Manager bei der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) hatte Kamath lange Zeit in Boom-Ländern wie China und Indonesien verbracht und hautnah erlebt, wie ein Run auf Konsumkredite aufstrebende Volkswirtschaften verändert.

Kaum hatte der Südinder 1996 ICICIs Chefsessel eingenommen, krempelte er das Institut komplett um. „Der Aufstieg des indischen Konsumenten war nur eine Frage der Zeit“, blickt der 60-Jährige zurück. Zudem war ICICIs altes Geschäftsmodell durch die Öffnung des Landes in eine Sackgasse geraten. „Ohne rasches Umsteuern wären wir an die Wand gefahren“, begründet der hochgewachsene, breitschultrige Mann seinen damals von vielen kritisierten Mut zur Kursänderung. Inzwischen kopieren alle Indiens Retail-Banking- Pionier. „Aber wir genießen drei Jahre Vorsprung auf die Konkurrenz“, glaubt Kamath.

Verstummt sind Kassandrarufer, die ihm Scheitern am eigenen Größenwahn prophezeiten. Innerhalb von sieben Jahren stiegen ICICIs Privatkundenkredite von quasi null auf zwei Drittel der Bilanzsumme. Die Bank wurde zu Indiens größtem Hypothekenanbieter und zur Nummer eins bei Kreditkarten.

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