Kabel Deutschland
Tony Ball: Schattenmann der Medienallee

Einst beaufsichtigte Tony Ball Premiere und Pro Sieben Sat 1. Jetzt will der Brite Kabel Deutschland auf Kurs bringen. Der gelernte Fernsehingenieur kennt das Geschäft bestens und hat bereits aus dem britischen Pay-Kanal BSkyB eine Gelddruckmaschine gemacht. Kabel Deutschland wird es ihm jedoch nicht einfach machen, erneut eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.

UNTERFÖHRING. Von Deutschland, scherzt Tony Ball, kenne er nur den Franz-Josef-Strauß-Airport und die Medienallee im Münchener Vorort Unterföhring. An der schnurgeraden Straße reihen sich die TV-Firmen wie an einer Perlenkette auf – Premiere, Pro Sieben Sat 1, Bayerischer Rundfunk, Bavaria, ZDF und am Ende Kabel Deutschland (KDG).

Was kaum jemand weiß: Hier, im Herzen der deutschen Fernsehindustrie, sitzt Ball schon seit Jahren an den Schalthebeln der Macht. Erst war der frühere Chef des britischen Bezahlsenders BSkyB in den Aufsichtsräten der Krisenunternehmen Premiere und Pro Sieben Sat 1. Momentan hat Ball eine ganz andere Baustelle: Deutschlands größten Kabelkonzern KDG mit seinen über elf Millionen Kunden. Der 53-Jährige berät die Geschäftsführung von KDG und soll im Auftrag von Eigentümer Providence, einem Finanzinvestor, aus dem einst drögen Netzbetreiber ein dynamisches Technologie- und Medienunternehmen schaffen.

Ball kennt das Geschäft aus dem Effeff. Im Auftrag des Medien-Tycoons Rupert Murdoch machte der gelernte Fernsehingenieur zwischen 1999 und 2003 den britischen Pay-Kanal BSkyB zu einem Dukatenesel für den Mutterkonzern News Corp. Am Ende musste er allerdings Murdoch-Sohn James Platz machen. So ist das manchmal in Familienunternehmen.

Bei der KDG ist es für Ball hingegen nicht so leicht, erneut eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Bereits seit über vier Jahren agiert er als Chefberater in Sachen Strategie. Doch bis zuletzt schrieb der Branchenprimus unterm Strich rote Zahlen. Das Ergebnis des im März zu Ende gegangenen Geschäftsjahrs hat KDG noch nicht vorgelegt. Immerhin: Allmählich gewinnt der Marktführer an Fahrt. Die Erlöse legten im vergangenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zu. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um ein Viertel auf 571 Mio. Euro.

Erst in dieser Woche gab der Konzern bekannt, mit O2 ins Mobilfunkgeschäft einzusteigen. Mit Hilfe des Telekomkonzerns bietet KDG als erster deutscher Kabelnetzbetreiber neben Fernsehen, Internet und Festnetztelefonie auch Handyverträge an. Damit will KDG der Telekom Kunden abjagen. Die Idee zu diesem Angriff stammt von Ball.

Der Brite hat die Rückendeckung von Providence-Europachef John Hahn. Das macht ihn so mächtig bei der KDG. Im Gegensatz zum eher zurückhaltenden und Eitelkeiten abgeneigten Vorstandschef Adrian von Hammerstein ist Ball eine Art Popstar der Medienbranche. Seine Reden sind legendär. Als der athletische Mann vor wenigen Wochen auf einen Kabelkongress in Berlin sprach, wurde es im Saal am Alexanderplatz mäuschenstill.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem leidenschaftlichen Sportler nicht. „Als Kabel Deutschland privatisiert wurde, bot der Konzern weder Internet, Telefon oder digitales Bezahlfernsehen an. Heute haben wir ein Pay-TV in Konkurrenz zu Premiere aufgebaut“, sagt er stolz. Mittlerweile zählt das konzerneigene Bezahlfernsehen 850 000 Kunden.

Seite 1:

Tony Ball: Schattenmann der Medienallee

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%