Kampf um Hochtief
ACS-Chefberater Fassbender setzt auf Sieg

Eigentlich mag Ernst Fassbender keine feindlichen Übernahmen, wie sie wohl demnächst dem Baukonzern Hochtief durch den spanischen Großaktionär ACS bevorsteht. Und dennoch bilden die im Fachjargon Hostile Takeover genannten Aufkäufe die entscheidenden Eckpunkte in der Laufbahn des Zigarren rauchenden Bankers.
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FRANKFURT. Ernst Fassbender mag keine feindlichen Übernahmen. Das gilt auch für Hochtief, wo der Banker den wohl kurz bevorstehenden, unerwünschten Kauf durch den spanischen Baukonzern und Großaktionär Actividades de Construcción y Servicios, kurz ACS, einfädelte. Lieber sind dem Deutschland-Chef der Investmentbank Lazard die unkomplizierten, freundlichen Deals.

Doch manchmal geht es eben nicht so, wie Fassbender will. Auch wenn für den 52-Jährigen feindliche Übernahmen eine Randerscheinung sind und "auf absehbare Zeit nur eine untergeordnete Rolle spielen", wie er trocken feststellt. Auch wenn hier immer viel Porzellan zerschlagen wird. So auch im Fall Hochtief, wo die Spanier angesichts der Abwehrreaktion des Essener Managements tief gekränkt sind.

Trotz aller Abneigung gegen die im Fachjargon Hostile Takeover genannten Übernahmen bilden sie die entscheidenden Eckpunkte in der Laufbahn des Zigarrenrauchers. Beispielsweise Anfang der neunziger Jahre, als der Reifenkonzern Continental den Übernahmeversuch des italienischen Konkurrenten Pirelli abwehrte. Das gelang, nachdem sich die Deutsche Bank mit einer Sperrminorität einkaufte. Fassbender verteidigte mit.

Oder bei der Übernahme von Thyssen durch das deutlich kleinere Krupp. Damals war der Kunstmäzen noch M&A-Banker bei der Deutschen Bank und half umzusetzen, was Krupp-Chef Gerhard Cromme 1999 listig als feindliche Übernahme startete. Der Vorstoß endete friedlich in einer Fusion. Gerade die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten der Deutschen Bank wie Rolf-E. Breuer und Hilmar Kopper prägten ihn, sagen seine Kollegen.

Auf der Seite des Angreifers arbeitet Fassbender auch heute - für Florentino Pérez, den Milliardär und Boss des spanischen Champions unter den Baukonzernen, ACS, der im Nebenberuf Präsident des legendären Fußballklubs Real Madrid ist. Weggefährten bezeichnen Perez als hart, trocken, beharrlich und getrieben. Ähnliche Eigenschaften finden sich bei dem Banker mit dem klaren Blick. Bereits vor drei Jahren hatte er sich für eine Übernahme der Essener starkgemacht. Seit langem mit einer Südamerikanerin verheiratet, kennt er praktisch von zu Hause aus das südliche Temperament und spricht Spanisch für den Hausgebrauch. Verhandlungen führt er lieber auf Englisch. Zu seinen Kunden zählt mit Emilio Botin, dem Präsidenten von Santander, ein weiterer Spanier.

Mit dem Erfolg von ACS im Rücken fühlt sich Fassbender bestätigt in seinem Mantra, dass die unabhängigen Investmentbanken wie Lazard die Krisengewinner sind. Sie quälen keine Interessenkonflikte wie die Großbanken. Sie können nur M&A - wie im Fall Hochtief.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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