Kampf um Kunden
Steuerberater unter Konkurrenzdruck

Der Tätigkeitsbereich des Steuerberaters ist bedroht: Immer mehr Bürger wickeln ihre Gehaltsabrechnungen und die Buchführung mit Computerprogrammen selbst ab oder greifen auf das Online-Angebot der Finanzverwaltung zurück. Wie eine durch den Gesetzgeber verunsicherte Branche versucht, neue Betätigungsfelder zu erschließen.

BERLIN. Den Steuerberatern geht es im Vergleich zu den Anwälten blendend - zumindest statistisch gesehen. Während die Zahl der rund 81 000 Steuerberater in den vergangenen Jahren nur leicht gestiegen ist, explodierte gleichzeitig die Zahl der Rechtsanwälte. Heute buhlen schon 146 000 Rechtsvertreter um Mandanten. Auch beim Gehalt liegen die Steuerberater klar vorne. Im Schnitt macht eine Kanzlei 350 000 Euro Umsatz im Jahr, schätzen Branchenexperten. Von solchen Summen können die meisten Anwälte nur träumen.

Dennoch: Zurücklehnen können die Steuerberater sich nicht - das wird der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken, heute den etwa 1 200 Teilnehmern des Deutschen Steuerberaterkongresses in Berlin klarmachen. "Durch Insolvenzen, stille Liquidationen, Unternehmensaufgaben und Zusammenschlüsse sinkt die Zahl der sicheren und lukrativen Mandate. Und um die drängen sich auch andere Berater - Rechtsanwälte, Unternehmensberater und Banken", sagte Vinken dem Handelsblatt.

Keine Frage: Auch unter Steuerberatern wird der Kampf um Kunden härter. Immer mehr Mittelständler wickeln ihre Gehaltsabrechnungen und die Buchführung mit Computerprogrammen selbst ab. Außerdem gucken die Mandanten auch bei ihren Steuernberatern immer stärker auf den Preis, nicht zuletzt seit die Große Koalition entschieden hat, dass Kosten für den privaten Teil der Steuererklärung nicht mehr als Sonderausgabe geltend gemacht werden können. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wird sich auf dem Kongress die Frage anhören müssen, warum er zuerst den Steuerpflichtigen in den Gesetzesdschungel schickt, und ihn dann für den Weg nach draußen auch noch zahlen lässt.

Belastend für die Zunft wirkt sich auch noch aus, dass neben den Mittelständlern auch immer mehr Bürger auf Steuersoftware zurückgreifen oder das Online-Angebot der Finanzverwaltung zur elektronischen Steuererklärung nutzen.

Deshalb versucht die Branche, sich neue Betätigungsfelder zu erschließen: Kanzleien beraten Kunden nicht mehr nur bei Fragen der Einkommen-, Gewerbe- oder Umsatzsteuer und erstellen Bilanzen, sie begleiten Kunden auch bei Bankgesprächen und unterstützen Firmen bei der Planung größerer Umstrukturierungen. Viele Steuerberater haben diese neuen Geschäftsfelder zwar inzwischen für sich entdeckt, schöpfen die möglichen Potenziale aber nur unzureichend aus. Eine dem Handelsblatt vorliegende Studie von Dieter Baumert, Inhaber der Kölner Kanzleiberatung Awus Management for Professionals ergab, dass rund drei Viertel der befragten Berater kein Vertriebs- oder Akquisitionskonzept haben. Außerdem fehlt 61 Prozent der Kanzleien nach wie vor eine klare Branchenausrichtung, fast jeder dritte Berater hat nicht einmal ein richtiges Dienstleistungsprofil erstellt.

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