Kann ein Deutscher Ex-Bahner die Swiss retten?
Das Fragezeichen namens Franz

Softie mit Bubengesicht oder Macher, hinter dessen Verbindlichkeit sich eisernes Durchsetzungsvermögen verbirgt? Die Beschreibungen von Christoph Franz gehen auseinander. Klar ist: Heute tritt der Deutsche offiziell seinen Job als Konzernchef bei der Schweizer Fluglinie Swiss an.

ZÜRICH. Sollten die Kritiker Recht haben und es versteckt sich hinter dem Lächeln und der runden Brille kein Manager, der auch unbequeme Entscheidungen durchsteht, dann wird die Aufgabe bei der Swiss für den 44-Jährigen ein Himmelfahrtskommando.

Bei den Schweizern ist nach der ersten Pleite so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Denn viel zu groß startete die Swiss in die neue Zukunft: Die langen Strecken wollten sie fliegen und die kurzen nicht vernachlässigen, als Luxusmarke gelten und im Billigsegment fischen. Neben der unklaren Strategie belasten handwerkliche Fehler das Unternehmen: Die Kostensenkung kommt nicht voran wie erhofft, der dringend benötigte Allianzpartner schien mit der Oneworld-Allianz gefunden – doch am Ende scheiterten die Verhandlungen. Weil das Geld jeden Tag knapper wird, verkaufte das Management Absicherungsrechte auf Flugbenzin. Die Strategie brachte 20 Millionen Schweizer Franken – und könnte jetzt 85 Millionen kosten, weil der Erdölpreis gestiegen ist. Swiss-Vielflieger, von denen es nicht mehr viele gibt, wollen bereits beobachtet haben, dass die Schweizer Piloten nur noch mit Bargeld im Pilotenkoffer in die Fremde fliegen, weil ihnen dort sonst der Zugang zum Kerosinhahn verwehrt bleibt.

Das alles muss Franz jetzt richten. Ein Krisenstab, der über neue Einschnitte berät, hat den designierten Chef bereits einbezogen. „Er ist ein Teamspieler“ loben die, die ihn dabei erlebt haben. Damals, als ihm Hartmut Mehdorn wegen des verunglückten Preissystems der Deutschen Bahn den Stuhl vor die Tür setzte, flossen in seiner Führungsriege sogar Tränen. Der promovierte Wirtschaftsingenieur gilt als Mann, der zuhören kann: geradlinig, offen, zielstrebig.

Dass er ein „netter Kerl“ ist, bescheinigen ihm selbst Kritiker. Auch dass er ein kluger Mensch sei. Nur fügen sie dann wie ein deutscher Berater hinzu: „Ein guter Mann für eine Denkstube, aber kein Chef für ein international operierendes Unternehmen, das derart in Problemen steckt wie die Swiss.“

Die Schweizer sind unvoreingenommener. Bis auf den nur schwer verdaubaren Umstand, dass nun ein Deutscher an der Spitze des schweizerischsten aller Schweizer Unternehmen steht, bedenken sie den neuen Chef mit Vorschusslorbeeren. „Der Franz, der kann’s“, titelte der „Tagesanzeiger“ aus Zürich.

Eine Frage stellen sich aber Deutsche wie Schweizer: Ist der neue Mann, der nicht nur eine DB-Vergangenheit, sondern auch eine Lufthansa-Geschichte hat, ein U-Boot der Kranich-Fluglinie, die unlängst mit ihrer Kapitalerhöhung die Gerüchte um eine bevorstehende Übernahme der Swiss wieder anheizte? Egal: Aus Sicht der Lufthansa ist Franz so oder so eine gute Wahl. Entweder wird er ein harmloser Konkurrent, heißt es aus Frankfurt, oder er macht ernst – und das kann er nur als Speerspitze der Lufthansa.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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